![]()
|
|
Heute bin ich um halb sechs aufgestanden, denn heute ist ein Arbeitstag. Ich arbeite seit diesem Frühling wieder an zwei Tagen pro Woche, jeweils 2 Stunden am Vormittag. Mehr schaffe ich nicht. Obwohl ich erst um 9 Uhr mit der Arbeit anfange, bin ich bereits kurz nach sieben im Büro. Ich arbeite in meiner „alten“ Firma. Es ist für mich jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis, arbeiten zu gehen: Meine Bürokollegen und -kolleginnen nehmen sich immer Zeit für einen „Schwatz“, sie verwöhnen mich, bringen Kaffee und Kuchen. So auch heute. Sie haben mich wieder voll in ihren Kreis aufgenommen, obwohl ich nicht mehr der Mensch bin, der ich einmal war. Es gibt ein Leben vor dem Unfall und ein Leben nach dem Unfall. Vorher war ich eine dynamische Frau, die voll in ihrem Beruf aufging. Ich arbeitete viel und hatte Freude daran. Ich trug viel Verantwortung als Kundenberaterin auf einer Bank und arbeitete total selbständig. Meine Arbeit wurde von meinen Vorgesetzten und Kunden sehr geschätzt. |
|
Heute, nach dem Unfall ist alles anders: Ich kann nur noch einfache Arbeiten erledigen und dies maximal während zwei Stunden pro Tag. Ich habe Mühe, mich zu konzentrieren. Wenn ich in eine Stress-Situation gerate, reagiert mein Körper sofort: Ich fange an zu zittern, schwitze und bekomme Schmerzen. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er mich trotz meiner Behinderung weiterhin beschäftigt. So viel Menschlichkeit findet man selten. So um elf Uhr höre ich mit der Arbeit auf. Mit dem Tram fahre ich aus der Stadt - dort steht mein Auto - und fahre nach Hause. Bis ich wieder Auto fahren konnte, brauchte ich lange. Noch heute erschrecke ich, wenn ich einen Lastwagen neben mir habe. Auch Lärm oder eine Polizeisirene lösen sofort Angstsymptome aus. |
|
Wir haben viel gelacht und die Natur genossen. Ja, ich bin ein Naturmensch, als Kind auf dem Bauernhof aufgewachsen. Deshalb geniesse ich meinen Spaziergang in vollen Zügen: die frische Luft, das viele Grün, die wunderschöne Landschaft. Hier kann ich Energie tanken. An Tagen, wo ich nicht arbeite, gehe ich in verschiedene Therapien. Auch das ist oft eine grosse Belastung für mich: Physiotherapie, Psychotherapie und andere Therapien. Aber ich mache Fortschritte. |
|
![]()
|
|
Was für ein Tag !!! |
|
Auf das Vorstellungsgespräch bin ich gut vorbereitet. Ich habe mit Ramón zusammen geübt: Wie ich auftrete, was ich sage und was nicht. Ich lasse die Worte „Depression“ oder wenn möglich auch „Scheidung“ weg, denn dann habe ich sofort Tränen in den Augen. Prinzipiell ist mir aber Offenheit und Ehrlichkeit im Interview wichtig. Ich lerne auch auf Signale des Körpers zu achten. Das ist sehr hilfreich. Bei Buchmann und Partner mache ich regelmässig Tests am PC. So sehe ich selber, dass ich die letzten Wochen einen riesen „Gump“ nach oben gemacht habe. |
|
und diese, wenn es mir nicht so gut geht, hervorzuholen. Dann sehe ich zum Beispiel meine 3 Kastanienbäume, auf denen ich als Mädchen mit meinen zwei Brüdern viel herumkletterte. Oder dann rieche ich den besonderen Duft der Badi, wo ich in meiner Jugend die Sommerferien verbrachte. Das tut gut! Deshalb habe ich auch wieder angefangen, 2 Mal pro Woche schwimmen zu gehen. Das tut nicht nur körperlich gut, sondern auch meiner Seele. |
|
|
![]()
|
|
Vor acht Jahren bin ich das erste Mal zusammengebrochen. Bumm! Es war, wie wenn man den Stecker herauszieht: Kein Licht, kein Ton, keine Kraft. Und als ich dann am Boden lag und wieder zu mir kam, fragte ich mich: „Läck, was isch das gsi?“ Es war an einem lockeren, ruhigen Sonntag. |
|
|
Vor 6 Jahren hatte ich einen Autounfall. Es war anfangs Dezember. Ich war zum falschen Zeitpunkt im Spital, weil ich Samichlaus bin. Alle fragten: Wo ist der Samilchlaus? Ich machte einen Riesenwirbel, um schnell wieder aus dem Spital zu kommen. Die Ärztin fragte mich dann: “Was sind sie von Beruf? Maurer? Sofort 100% arbeitsunfähig! Fertig lustig!“ Da habe ich angefangen zu heulen... ich habe einen Herzfehler! |
||
|
Ich arbeite bei einer Handelsfirma in einem grossen Lager mit rund 10'000 Artikeln. Ich gehe mit meinen Rüstzetteln durchs Lager, stelle die Waren zusammen, verpacke sie für den Versand, gebe die Zettel ab. Das ist meine Aufgabe: Die Sachen zu kommissionieren. Der andere macht dann Lieferschein und Rechnung. Später werde ich auch lernen, mit dem Stapler zu fahren, Buchungen am Computer zu machen… Es braucht von mir Initiative, dass ich an solche Arbeiten herankomme. Manchmal kommt der Chef mit dem Trottinet um die Ecke gedüst... aber ich habe da kein Problem, denn ich schwatze ja nie bei der Arbeit. |
|
|
|
Vor 15 Jahren habe ich angefangen, asiatisch zu kochen. Ich koche abends für meine Frau, da sie noch später als ich nach Hause kommt. Sie hat eben die Meisterprüfung als Floristin bestanden. Im Winter kommt sie oft erst um 22 Uhr von der Arbeit, manchmal sogar später. |
||
![]()
|
|
Heute bewache ich das wohl bekannteste Zunfthaus in Zürich: das Zunfthaus zur Zimmerleuten, das vor wenigen Tagen abgebrannt ist. Ich arbeite bei der Securitas. |
|
|
Während meinem Dienst muss ich den ganzen Tag ruhig dastehen. Ich darf weder essen noch trinken. Nicht mal ein Kaugummi ist erlaubt. Ab und zu gehe ich dann schon ein paar Schritte hin und her, sonst ist die Kälte fast nicht auszuhalten. |
||
![]() |
Ich war zwanzig, also vor etwa 4 Jahren, als der Albtraum begann. Seitdem verbrachte ich viele Tage im Spitalbett, zuhause liegend oder in der Reha-Klinik.
|
|
|
Schrauben rein – Schrauben raus – Platten rein – Notoperation – Intensivstation, usw. Da ich über so lange Zeit starke Schmerzen gehabt habe, wurde ich von den Schmerzmitteln zudem morphiumabhängig. Das war das Schlimmste von allem, die körperliche Abhängigkeit und der darauffolgende Entzug.
4 ½ Zimmer Wohnung mit Cheminée. Auch sie arbeitet als Sozialpädagogin. Wir haben die Hausarbeiten aufgeteilt: Sie kocht und ich putze. Auch heute werden wir zusammen essen und ein Gläsli Wein trinken. Dann werde ich – wie so oft – vermutlich auf dem Sofa einschlafen. |
||
![]()
|
|
Ich habe mich als kleiner Junge verbrannt. Ich war erst fünf, mein Onkel hat grilliert und Brennsprit ins Feuer gegossen. Dann gab es eine riesige Stichflamme. Ich bin nah dabei gestanden…. |
|
|
|
||
|
Zum Glück habe ich meine Versicherung, die mir damals den Lohnausfall bezahlte. Sie trägt die volle Verantwortung für mich, bis ich mein Leben voll im Griff habe und selbständig für mich sorgen kann. Sie war es auch, die mich an Buchmann & Partner vermittelte. Dort hat man meine Situation genau analysiert – und schon kurze Zeit später auch einen Job gefunden, wenn auch nur für eine befristete Zeit. |
|
|
|
Mein jetziger Job gefällt mir sehr. Ich arbeite im Back-Office in einem kleinen Team: Acht Frauen und ich als Hahn im Korb! Mittags nur ein Sandwich - dafür koche ich abends ausgiebig für mich allein. Ich achte auf gesunde, ausgewogene Ernährung. Viel Vitamine! Damit ich nicht schlapp mache. So habe ich - und auch mein Geschäft etwas davon. |
||
![]()
|
|
Bei meiner Geburt und die ersten Tage danach bekam ich zu wenig Sauerstoff. Dadurch vernarbte sich meine rechte Gehirnhälfte. Doch erst mit siebzehn Jahren machte sich das bemerkbar: Ich erlitt meinen ersten epileptischen Anfall - mitten in einem Zürcher Warenhaus. Seitdem habe ich einen Anfall etwa 1 Mal pro Monat. Wenn ich Stress habe, sind die Abstände noch kürzer. Morgens, beim Aufstehen, merke ich manchmal, dass etwas nicht stimmt, doch verhindern kann ich einen Anfall nicht. |
|
|
Mein Gehirn wurde auf jede mögliche Art von Spezialisten untersucht und ich schlucke täglich 3 verschiedene Medikamente. Es gibt viele Vorurteile, denen Epileptiker unterworfen sind. Man kann leider heute noch wenig gegen die Krankheit machen. Auch mit Therapien nicht. Wegen meiner kaputten Schulter ist es schwierig, als Fotograf zu arbeiten. Deshalb suche ich auch in ganz anderen Bereichen. Ich lese die Tageszeitungen aus der Ostschweiz, wo ich wohne, suche im Internet und bewerbe mich jede Woche bei mehreren Betrieben. Buchmann und Partner unterstützt mich da voll. Zusammen mit Patrick Zufferey habe ich mich auch schon bei mehreren Betrieben vorgestellt. Bis heute leider ohne Erfolg. |
||
|
Schon von Klein auf habe ich leidenschaftlich gerne gezeichnet, gemalt und auch gesprayt. Bis ich die japanischen Comics entdeckte, die Mangas. Sie haben meinen heutigen Stil stark beeinflusst. Ich möchte meine Bilder bald einmal ausstellen und male fast jeden Tag. Bei Buchmann & Partner arbeite ich in der Regel bis in den frühen Nachmittag, je nachdem, wie ich mich gesundheitlich fühle. Auf dem Heimweg schaue ich oft bei einem Comics-Laden rein, um mich zu inspirieren. Ich wohne bei meinen Eltern und meinen zwei Katzen, die ich sehr mag. Zuhause mache ich oft 3 Mal pro Woche mein „Workout“, das beinhaltet ein Bauchmuskeltraining, Hanteltraining und den Hometrainer. Mit sichtbarem Erfolg: Ich stärke nicht nur meine Muskeln, sondern habe im letzten Jahr auch mehrere Kilos abgenommen. Abends überrasche ich meine Freundin oft mit feinem chinesischem Essen. Ich koche leidenschaftlich gern. Dann spielen wir manchmal zu zweit oder mit Freunden Poker. |
|
|
|
Ich bin froh, dass ich bei Buchmann und Partner ein Arbeitstraining machen kann. Ich schätze den geregelten Tagesablauf und komme so auch unter die Leute. Mit Malen allein würde ich verrückt werden. |
||
![]()
|
Morgens um fünf bin ich schnell aus dem Haus. 3 Minuten bis zur S-Bahn, 10 Minuten Fahrt, 2 Minuten zu Fuss – und schon sitze ich an meinem neuen Arbeitsplatz. Ich arbeite bei einer wichtigen Schweizer Krankenkasse in der Abteilung Posteingang. Täglich erreichen uns 15'000 - 20'000 Tarmed-Belege aus der ganzen Schweiz. Jeder dieser Belege muss genaustens kontrolliert werden, bevor man diesen einscannt. Da müssen zum Beispiel Gümmelis und Büroklammern weg.
Früher hatte ich eine Kaderstellung in einem Finanzunternehmen. Ich spreche 4 Sprachen und auch wenn mein heutiger Job nicht so anspruchsvoll ist, so bin ich doch froh, einen Gang zurück geschaltet zu haben und nicht mehr 24 Stunden für das Geschäft verfügbar sein zu müssen. Klar musste ich auch den Gürtel enger schnallen aber es hat sich gelohnt. Mittagspause: Wir haben mehrere Restaurants in unserem Betrieb. Hier treffe ich immer wieder auf neue Gesichter. Es ist mir wichtig, Kontakt zu haben. Nach dem Essen gehe ich oft mit meinem Chef am Fluss entlang spazieren. Mein Chef ist 61, vielleicht kann ich später mal seinen Posten übernehmen. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Mit ihm habe ich in den ersten 2 Wochen mehr geredet als mit meinem früheren Chef in 3 Jahren! An meiner alten Stelle wollten sie mich loswerden. Ich erlitt ein Burnout.
|
||||||
![]()
|
||
|
Die wenigen Fahrgäste schauen mich dann schon ein bisschen komisch an. Da ich meinen Dienst wie gesagt in der Kalkbreite beende, spare ich enorm Zeit für den Heimweg, denn mein Velo steht ja dann schon da. In Albisrieden habe ich 6 ½ Minuten Pause, ich hole mir schnell etwas vom Beck, lasse mir einen Kaffee raus und fahre gleich wieder los.
|
||
|
Es gibt Leute, die sich die Knöchel wund klopfen, damit ich Ihnen die Türe aufmache. Ich schaue sie dann einfach nicht an, um sie nicht noch mehr zu provozieren. Mit solchen zum Teil schwierigen Situationen, z.B. heftigen Beleidigungen, muss man irgendwie selber fertig werden. Eine psychologische Schulung erhält man während der Ausbildung zum Tramführer nicht. Es gibt zwar die Möglichkeit, in schwierigen oder brenzligen Situationen einen Notruf abzusetzen, um mit der Leitstelle zu kommunizieren. Es gibt auch den sogenannten „stillen Alarm“. Auf der Leitstelle hören dann alle mit und können sofort reagieren wenn es kritisch werden sollte. Der Beruf als Tramführer bereitet mir grosse Freude. Seit meiner Kindheit hat mich alles auf Schienen sehr fasziniert. Ursprünglich wollte ich Pilot bei der Swissair werden. Schlussendlich habe ich aber als Dr. phil. Nat. an der Uni Bern promoviert. Als Biologe habe ich aber nicht lange gearbeitet, es zog mich ins Marketing und in die Kommunikationsbranche. |
![]()
|
|
Früher bin ich internationale Bob-Rennen gefahren − heute repariere ich Haushaltsgeräte. Dieser neue Job ist super. Kurz nach sechs fahre ich von zu Hause los. Eigentlich müsste ich erst um sieben Uhr beginnen, da käme ich aber nie durch mit meinen Terminen. Seit meinem vor 2 Jahren überstandenen Burnout habe ich den Stress aus meinem Leben verbannt . Ich fahre morgens ruhig mal los, und wenn ich abends alles erledigt habe, dann ist es gut, und sonst ist es auch gut. Pro Tag bin ich 3-5 Stunden mit dem Firmenwagen in der halben Schweiz unterwegs. Ich habe noch nie eine Geschwindigkeitsbusse erhalten. Da kommt es schon mal vor, dass Einer hinter mir hupt. Dann denke ich: „He, he…. ich bin am Arbeiten! Nicht auf der Flucht!“ Ich bin zwar vielleicht nicht der Schnellste im Strassenverkehr, aber bei den Reparaturen, da geht es dann schon zügig voran. Wenn man solche Strecken zurücklegt wie ich, da bleiben für das Auseinanderbauen und wieder Zusammensetzen einer Maschine knapp 20 Minuten. Das empfinde ich nicht als negativen Stress! |
|
Ich bin nun mal Handwerker! Als ich geboren wurde, hat man mir bestimmt einen Schraubenzieher in die Hand gedrückt und gesagt: „Du bist Mech!“ Kürzlich stand ich vor einer 3-jährigen, kaputten Waschmaschine. Da habe ich zur Besitzerin gesagt: „Schmeissen Sie diese weg, kaufen sie sich eine Neue!“ „Ja, warum?“ „Die erhalten Sie neu für 600 Franken. Wenn ich Ihre Maschine auseinander nehme und eine neue Heizung reinmache, dann kostet die Reparatur 550.“ Darauf kaufte sie eine neue. Bob fahre ich, seit ich 23 Jahre alt bin. Angefangen habe ich als Bremser, das ist der, der hinter dem Pilot sitzt und den Schlitten anschiebt. Dann hatte ich das Gefühl, es besser zu können. So wurde ich Pilot und gewann später so manches Rennen, sogar auch im Europa-Cup. Mein Problem war, dass ich nie wirklich Sponsoren fand. Ich erledigte alles selber, und zwar wirklich alles: Trainingsaufbau, Team organisieren, den Schlitten besorgen. So ein Standardschlitten kostet rund 30 Tausend Franken. Dann hast Du aber erst den Schlitten und noch kein Transportfahrzeug, keinen Anhänger und kein Team beisammen. Ich glaubte damals, Sponsoren zu gewinnen, sobald ich die richtige Leistung erbringen würde. Das hat aber nicht funktioniert. Auch fehlte mir die nötige Zeit, denn im Sommer habe ich immer 100% gearbeitet, unter anderem habe ich Armierungseisen im Akkord verlegt. Später habe ich über den Club einen sehr guten Schlitten bekommen, auch diesen habe ich dann „zwäg“ gemacht. Ich bin die ersten bedeutenden Rennen gefahren und habe den Europacup gewonnen! Doch finanziell klappte es nicht: Obwohl ich zu den Weltbesten gehörte, fehlte mir das Geld. Beim Skifahren gibt es Sponsoren, die Millionen investieren, beim Bobfahren eben nicht. Auch fehlte mir das richtige Beziehungsnetz. Schliesslich nahm ich sogar einen hohen Kredit auf. Das ging dann alles völlig in die Hosen. Innert kürzester Zeit stand ich vor dem Nichts. Als ich nach der Saison nach Hause kam, stand ich stattdessen so gut wie auf der Strasse. Das war eine sehr schwierige Zeit für mich und meine Frau. In der ersten Wohnung hatten wir nur eine Matratze und kaum andere Möbel. Dann wurde sie schwanger. „Du bist schwanger… ja toll!“ Aber das kam dann relativ schnell in Ordnung, weil wir damals beide arbeiteten. Schliesslich hatten auch wir ein wohnliches Daheim. Ich hatte damals einen festen Job als Liftbauer. Dort habe ich mich voll eingesetzt und weit mehr als 100% gearbeitet. Es war vielleicht ein Fehler, dass ich mich im Job genauso engagierte wie im Sport. Du wirst da gnadenlos ausgenutzt. Du arbeitest 50, 60, 70 Stunden die Woche und das über Monate, ja Jahre, hinweg und irgendwann sagte ich zu meinem Chef: „Du Chef, langsam aber sicher mag ich nicht mehr….“ Passiert ist dann trotzdem nichts. Er war sich einfach gewohnt, dass ich so viel gearbeitet und nie gemotzt habe. Ja und dann war ich irgendwann so weit, dass ich zusammenbrach, einfach nicht mehr konnte. Da ging überhaupt nichts mehr. Das kam schlagartig, von einem Tag auf den anderen. Meine Frau riet mir: „Jetzt musst Du aber etwas unternehmen!“ Daraufhin ging ich zum ersten Mal zum Psychiater. Nach einem Jahr im Krankheitszustand legte mir das Geschäft nahe, ich solle kündigen. Meine Versicherung bot mir ein Case Management bei Buchmann & Partner an. Da ging ich dann 1-2 Mal die Woche hin. Und langsam ging es mir dann tatsächlich auch wirklich besser. Erst eine geregelte Tagesstruktur bei Buchmann und Partner half mir, meinen Rhythmus wieder in den Griff zu bekommen. Ich schaute mich erstmals wieder nach einer neuen Stelle um. Nach einiger Zeit klappte das dann wirklich, welch ein glücklicher Tag, der erste Arbeitstag! Mittlerweile haben wir 3 Kinder. Ich verdiene rund 6000 Franken brutto. Wir wohnen günstig, gönnen uns nur das Nötigste, machen keine Luftsprünge und dennoch: Ende Monat ist unsere Konto leider immer auf Null. Ich bin heute zufriedener als früher. Mein Leben ist, so wie es ist, in Ordnung. Heute treibe ich auch wieder Ausdauersport. Im Sport gebe ich Gas, ich renne viermal pro Woche zehn Kilometer und einmal zwanzig Kilometer. Im Frühling will ich an den Greifensee-Marathon. Mit 90 Kilos bin ich noch zu schwer, deswegen will ich abnehmen. Mein Ziel ist es, den Halbmarathon unter 80 Minuten zu schaffen. Wenn ich an meine Zeit als Bob-Pilot zurückdenke, überwiegt das Positive. Was war das für eine schöne Zeit! Ich realisiere, dass ich damals Fehler gemacht habe: In dieser Sportart ist es nicht das Wichtigste, dass Du Höchstleistungen erbringst, sondern „Connections“ hast. Erst dann solltest du dich auf den Sport konzentrieren. Ich dachte damals als Spitzensportler: „Wenn ich dieses Rennen gewinne…. da wirst sich sicher jemand für dich interessieren.“ Ich habe viele Rennen gewonnen und alle Konkurrenten heruntergeputzt, doch dafür hat sich nie wirklich jemand interessiert. Alles in allem, wenn ich zurückblicke, so habe ich doch vieles erlebt und kann heute nach meinem Neustart wieder positiv in die Zukunft blicken |
|
![]()
|
Gute Menschen finden immer gute Menschen! Dies habe ich in letzter Zeit immer wieder erfahren. Ich stamme aus Mazedonien. 1989 kam ich in die Schweiz und habe 20 Jahre lang auf dem Bau gearbeitet. Vor mehr als 4 Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Mein Arzt hat mich sofort krankgeschrieben. Den ganzen Tag zu Hause zu verbringen, passte mir überhaupt nicht. Ich verliess kaum die Wohnung, denn ich wollte mich tagsüber nicht auf der Strasse zeigen. Ich schämte mich. Schliesslich ging ich nach kurzer Zeit wieder auf die Baustelle. Und dann ist es blöd gelaufen: Ich hatte einen schweren Autounfall mit einer erneuten Rückenverletzung und einem Schleudertrauma. Auch die rechte Schulter war verletzt. Seither habe ich Nackenschmerzen, Kopfweh und auch Ohrenpfeifen (Tinnitus). Das bedeutete das definitive Aus für meine Arbeit auf dem Bau. Wenn du auf der Baustelle etwas Schweres heben musst, kannst du nicht immer einen anderen holen, um dir helfen zu lassen. Heute arbeite ich als Pfleger in einem Alterszentrum. Ich arbeite im Schichtbetrieb. Wenn ich Frühschicht habe, stehe ich so um halb sechs Uhr auf. Ich stelle den Radio oder Fernseher an, schaue Nachrichten, trinke Kaffee. Rasieren muss ich mich auch. In der Pflege muss man immer frisch rasiert sein und gepflegt daherkommen. Um 6.15 bin ich an der Bushaltestelle. Da nehme ich das Postauto, dann den Zug, dann wieder ein Postauto. Das hält genau vor dem Altersheim. Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr. Ich habe also noch rund 20 Minuten Zeit. Ich trinke einen Kaffee, ziehe meine Arbeitskleidung an, binde meine langen Haare zu einem Zopf. Im ersten Rapport berichtet die Nachtwache über die Ereignisse während der Nacht. Dann wird die Arbeit im Team verteilt. Nun beginnt auch für unsere Bewohner und Bewohnerinnen der Tag: Aufstehen, Morgenpflege, Frühstücken. Wenn jemand länger schlafen will, wird er oder sie natürlich nicht geweckt. Unser Alterszentrum hat 4 Wohngruppen, diese sind auf 4 Stockwerke verteilt. In einer Wohngruppe leben 15-20 Personen. Ich betreue abwechslungsweise 2 Wohngruppen. Da muss ich mir viele Namen merken. Dieser Wechsel alle 2 Wochen ist nicht immer einfach: Ich muss die Krankengeschichte jedes einzelnen Bewohners oder Bewohnerin kennen. Ich habe die Kompetenz erhalten, Medikamente abzugeben, die von Diplomierten gerichtet und kontrolliert wurden. Da muss ich sehr konzentriert sein. Auch für die Bewohner ist meine Jobaufteilung nicht einfach. Da werde ich oft gefragt „Wänn chömmet Sie wieder? Eimal sind sie da, und dann wieder nid!“ Sie haben wirklich Freude an mir und ich hätte nie im Leben gedacht, jemals so beliebt zu sein! Der Wechsel vom Bauarbeiter zum Pfleger verdanke ich Buchmann & Partner. Damals, beim ersten Blickkontakt mit Herrn Rolf Buchmann, wusste ich sofort: „Der will mir helfen!“ Er führte ein langes Interview mit mir. Da kam alles auf den Tisch, meine Krankengeschichte, der Autounfall, die andauernden Schmerzen und meine berufliche Orientierungslosigkeit. Da hatte ich im ganzen Körper ein gutes Gefühl: „Ich glaube, ich bin da in guten Händen!“. Herr Buchmann ist ein Mensch, der andere Menschen wirklich versteht. Er sagte mir: „Das Problem ist nicht, dass Sie nicht arbeiten wollen. Sie wissen einfach noch nicht, was Sie arbeiten könnten. Er hat genau mein Problem erkannt. Dann hat mich Herr Buchmann an Herrn Carbonell überwiesen. Dieser sagte zu mir: „Da Sie ja nicht wissen, welcher Beruf für Sie in Frage kommt, machen wir zuerst ein paar Schnuppereinsätze!“ Meine erste Schnupperstelle war als Schulhaus-Abwart. Die Zweite war Pfleger in einem Altersheim. Da bin ich bis heute hängen geblieben. Ein junger diplomierter Pfleger aus Holland, heute Gruppenleiter, begleitete mich während dieser Schnupperwoche. Er sagte zu mir: „Du schau mal Deine Hände: Die sind für die Pflege geeignet!“ Die ersten 2-3 Tage habe ich nur zugesehen, doch dann durfte ich die Pflege teilweise selber übernehmen. Ich war sehr unsicher. Aber ich habe auch ganz neue Seiten an mir entdeckt. Ich habe mich immer wieder gefragt: “Wieso machst Du so etwas?“. Weil die anderen dies nicht selber machen können! Ausschlaggebend für meinen heutigen Beruf als Pfleger war das erste Erlebnis mit einer an Demenz erkrankten Bewohnerin. Diese demente Person kann nicht reden, aber die Freude im Gesicht, in den Augen, nachdem ich diese gepflegt hatte, drückte ein riesengrosses Dankeschön aus. In solchen Momenten vergisst Du alles, Deine Sorgen, deine Schmerzen, den Job, das Geld. Ich sagte zu mir: „Jetzt mache ich wirklich etwas Menschliches, etwas Gutes!“ Am Tag hört man überall Leute „Danke!“ sagen. Aber es ist ein ganz spezielles Gefühl, ein Danke von einem Menschen zu erleben, der nicht Danke sagen, sondern dies nur mit seinem Gesicht ausdrücken kann. Nach der Schnupperwoche ging ich zu Herrn Carbonell und sagte: „Das möchte ich machen!“ Nebst der neuen Stelle hat er mir einen Platz in einem Pflegekurs des Schweiz. Roten Kreuzes (SRK) organisiert. Das war nicht ganz einfach, weil diese Kurse einen grossen Andrang haben und sehr gut besucht sind. Ich musste auch eine schriftliche Prüfung in Deutsch ablegen. Der Kurs ist in zwei Module aufgeteilt. Ich war sehr motiviert und habe schliesslich das zweite Modul mit der höchsten Punktezahl bestanden. Nach der Schnupperzeit durfte ich im gleichen Altersheim ein 6-monatiges Praktikum absolvieren. Dabei wurde ich von der Gruppenleiterin sehr gut eingeführt. Natürlich war der Anfang schwer: Ich sprach gebrochenes Deutsch, und als Mann in diesem Beruf ein Aussenseiter. Ich habe mich oft geschämt, hatte grosse Hemmungen, vor allem bei der Intimpflege. Jetzt ist das ganz normal, weil das Vertrauen da ist. Meine Arbeitskolleginnen kennen meine Krankengeschichte. Sie sind sehr hilfsbereit und nehmen Rücksicht darauf, dass ich Rückenprobleme habe. Der Pflegeberuf ist für mich eine Art Therapie, ich vergesse meine Schmerzen. In der Zwischenzeit hat sich nicht nur mein Deutsch verbessert, sondern auch mein Selbstwertgefühl. Als Pfleger trägt man eine grosse Verantwortung. Deshalb finden mehrmals täglich Rapporte statt. Da wird festgehalten, wie es unseren Bewohnern geht, ob jemand zum Beispiel schwächer geworden ist und mehr Hilfe benötigt. Wir nehmen uns viel Zeit für unsere Bewohner. Ich weiss, dass dies nicht überall so ist und dass alte Leute oft schnell abgefertigt werden, was mich sehr schockiert hat. Klar, manchmal gibt es auch bei uns Stresssituationen, zum Beispiel wenn alle Patienten gleichzeitig etwas wollen. Aber wenn Du gut organisiert bist, dann geht’s. Man muss einfach ruhig bleiben. Die Bewohner merken das ja auch, ob ich gestresst oder ruhig bin, und dies hat einen grossen Einfluss auf ihr Wohlbefinden. An Spielnachmittagen wird meistens Eile mit Weile gespielt. Das lieben die Bewohner. Auch ich spiele gerne mit. Schach spielt leider keiner. Um 15 Uhr gibt’s Kaffee oder Tee mit einem Guetzli. Da müssen wir schon ein bisschen aufpassen wegen dem Gewicht, oder auch wegen dem Zucker. Nach dem Z’Vieri ist der Frühdienst beendet. Manchmal trinke ich mit meinen Arbeitskollegen noch einen Kaffee. Dann gehe ich zu Fuss bis zum Bahnhof. Kurz vor 17 Uhr bin ich wieder zu Hause. Auch meine Frau kommt aus Mazedonien. Sie arbeitet seit über 10 Jahren als Näherin. Wir haben sehr jung geheiratet. Nun sind wir bereits Grosseltern. Wir wohnen alle im gleichen Mehrfamilienhaus: Mein ältester Sohn und seine Familie wohnen im Erdgeschoss, meine Frau und ich sowie der jüngste Sohn im 1. Stock. Meistens kocht meine Schwiegertochter. Wir essen immer alle zusammen. Wir sind Moslems. Wenn mich jemand nach der Religion fragt, dann kann ich jedoch kaum Auskunft geben. Meine Frau hat früher zwar ein Kopftuch getragen, aber seit sie in der Schweiz ist auch nicht mehr. Auch die Frauen meiner Söhne tragen keine Kopftücher. Alle Menschen von allen Religionen werden von Gott geliebt. Jeder sollte doch so leben dürfen wie er will. Als mein ältester Sohn ebenfalls mit 20 heiraten wollte, war ich nicht einverstanden. Ich sagte zu ihm: „Mach nicht den gleichen Fehler wie ich!“ Damit hatte ich ihn verletzt. Er glaubte, ich hätte etwas gegen seine Braut, dabei ging es mir einfach nur ums Alter, denn ich wusste, wie schwierig es ist, so jung zu heiraten. Im Moment bin ich am Sparen, den ich benötige viel Geld für die Hochzeit meines zweiten Sohnes. Ich habe alles organisiert. Geheiratet wird in Mazedonien im Familienkreis. Beim älteren Sohn waren wir ca. 350 Personen, diesmal werden es sicher ebenso viele sein. |





















