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Start Newsletter Ein Tag im Leben von...


Unfall

Heute bin ich um halb sechs aufgestanden, denn heute ist ein Arbeitstag. Ich arbeite seit diesem Frühling wieder an zwei Tagen pro Woche, jeweils 2 Stunden am Vormittag. Mehr schaffe ich nicht. Obwohl ich erst um 9 Uhr mit der Arbeit anfange, bin ich bereits kurz nach sieben im Büro. Ich arbeite in meiner „alten“ Firma. Es ist für mich jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis, arbeiten zu gehen: Meine Bürokollegen und -kolleginnen nehmen sich immer Zeit für einen „Schwatz“, sie verwöhnen mich, bringen Kaffee und Kuchen. So auch heute. Sie haben mich wieder voll in ihren Kreis aufgenommen, obwohl ich nicht mehr der Mensch bin, der ich einmal war. Es gibt ein Leben vor dem Unfall und ein Leben nach dem Unfall. Vorher war ich eine dynamische Frau, die voll in ihrem Beruf aufging. Ich arbeitete viel und hatte Freude daran. Ich trug viel Verantwortung als Kundenberaterin auf einer Bank und arbeitete total selbständig. Meine Arbeit wurde von meinen Vorgesetzten und Kunden sehr geschätzt.

Heute, nach dem Unfall ist alles anders: Ich kann nur noch einfache Arbeiten erledigen und dies maximal während zwei Stunden pro Tag. Ich habe Mühe, mich zu konzentrieren. Wenn ich in eine Stress-Situation gerate, reagiert mein Körper sofort: Ich fange an zu zittern, schwitze und bekomme Schmerzen. Ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er mich trotz meiner Behinderung weiterhin beschäftigt. So viel Menschlichkeit findet man selten. So um elf Uhr höre ich mit der Arbeit auf. Mit dem Tram fahre ich aus der Stadt - dort steht mein Auto - und fahre nach Hause. Bis ich wieder Auto fahren konnte, brauchte ich lange. Noch heute erschrecke ich, wenn ich einen Lastwagen neben mir habe. Auch Lärm oder eine Polizeisirene lösen sofort Angstsymptome aus.

An meinen schweren Unfall erinnere ich mich nicht; ich war sofort bewusstlos. Erst viel später, als ich aus dem Koma erwachte, erfuhr ich, wie es genau passiert ist, so zum Beispiel, dass 35 Feuerwehrleute mich aus dem Autowrack bergen mussten. Ich habe keinen Hass oder Wut auf den Fahrer des Lastwagens. Ich denke, auch er hat einen Schock erlitten und hat schwer an diesem Unfall zu tragen. Er hat sich seit dem Unfall vor bald zwei Jahren nie bei mir gemeldet.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich völlig erschöpft und ich lege mich dann für ein bis zwei Stunden hin. Heute Nachmittag bin ich Nordic-Walken gegangen. Früher ging ich fast täglich Joggen oder Radfahren, das geht heute nicht mehr. Meine Runde führt mich an schönen Schrebergärten vorbei. Da wurde ich auch schon spontan zu einem Kaffee eingeladen.

Wir haben viel gelacht und die Natur genossen. Ja, ich bin ein Naturmensch, als Kind auf dem Bauernhof aufgewachsen. Deshalb geniesse ich meinen Spaziergang in vollen Zügen: die frische Luft, das viele Grün, die wunderschöne Landschaft. Hier kann ich Energie tanken. An Tagen, wo ich nicht arbeite, gehe ich in verschiedene Therapien. Auch das ist oft eine grosse Belastung für mich: Physiotherapie, Psychotherapie und andere Therapien. Aber ich mache Fortschritte.
Abends bin ich oft allein und schaue Fernsehen, bis ich ins Bett gehe. Ich habe zwar eine Schwester, Bekannte und Freunde, die mich immer wieder zu sich einladen. Doch auch in dieser Beziehung hat sich vieles verändert: Viele Menschen können nicht verstehen, dass ich nicht mehr „die Alte“ bin, nicht zuletzt darum, weil man mir meine schweren körperlichen Verletzungen nicht ansieht. Dabei trage ich Narben am ganzen Körper. Und in meiner Seele.


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Walking

 

Arbeitstraining

Was für ein Tag !!!
Heute habe ich ein wichtiges Vorstellungsgespräch bei einer grossen Versicherung. Ja, ich suche wieder einen Job. Um halb Sieben stehe ich auf, ich bin noch ziemlich verschlafen. Dennoch bin ich sehr aufgeregt, denn um 11 Uhr findet das Interview statt.

Ramón begleitet mich nach Oerlikon und versucht mich zu beruhigen. Und um die Spannung noch zu steigern, sind wir viel zu früh da. Ramon ist mein Coach, vielleicht auch ein bisschen mein Schutzengel. Er gehört zum Team der Buchmann & Partner AG. Bei Buchmann und Partner absolviere ich ein Arbeitstraining: Ich lerne wieder zu arbeiten. Das tönt komisch, aber diese zwei Monate mit einer festen Tagesstruktur haben mir unglaublich geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Eingefädelt hat dies die Case-Managerin meiner Versicherung. Sie ist ein wahrer Engel und ich bin ihr unendlich dankbar dafür.

Auf das Vorstellungsgespräch bin ich gut vorbereitet. Ich habe mit Ramón zusammen geübt: Wie ich auftrete, was ich sage und was nicht. Ich lasse die Worte „Depression“ oder wenn möglich auch „Scheidung“ weg, denn dann habe ich sofort Tränen in den Augen. Prinzipiell ist mir aber Offenheit und Ehrlichkeit im Interview wichtig. Ich lerne auch auf Signale des Körpers zu achten. Das ist sehr hilfreich. Bei Buchmann und Partner mache ich regelmässig Tests am PC. So sehe ich selber, dass ich die letzten Wochen einen riesen „Gump“ nach oben gemacht habe.

Es ist fünf vor Elf. Zeit für das Vorstellungsgespräch. Ich steige aus Ramóns Auto. Er passt auf, dass ich nicht um die nächste Ecke biege und abhaue… Nach einer Stunde bin ich wieder draussen. „Yeah! Ich hab’s geschafft! Super gelaufen!“ Ramón meint mit einem Schalk im Gesicht: „Ich hab’s immer gewusst! Du bist die Einzige, die (noch) nicht an Dich glaubt!“

Es war kurz vor Weihnachten, letztes Jahr, als ich versuchte, mir das Leben zu nehmen. Ich bin in eine schwere Depression geraten, ohne es wirklich zu merken. Plötzlich war alles anders: Ich, der „Chrampfi“, hatte plötzlich enorm Mühe, überhaupt noch zur Arbeit zu fahren und hielt mich nur noch mit starken Medis über Wasser. Ich, die früher ständig auf die „Löitsch“ ging, verkroch mich von Freitagabend bis Montagmorgen in meinem Bett. Nur meine Katze Luna war bei mir. In dieser Zeit empfand ich nur noch einen unendlichen Schmerz und eine tiefe Trauer. Es war hart, mir selber eingestehen zu müssen, dass es nicht mehr ging.

Auf der Intensivstation war ich 2 Tage. Dann kam ich in die PSYCHI. So viele komische Gestalten! Ich schlief viel, zog mich oft zurück. Ich hatte das Gefühl, in einer Glocke voller Nebel zu leben.

Meine Psychologin, zu der ich regelmässig gehe, hat mich gelehrt, mehr Geduld mit mir selber zu haben. Die Seele braucht oft lange, um zu heilen. Seit einigen Wochen machen wir in der Therapie sogenannte Imaginationsübungen zur Stabilisierung. Die mache ich sehr gern und sie helfen mir, nicht immer negativ zu denken. Ich lerne, mich an schöne Augenblicke aus meiner Kindheit zu erinnern

und diese, wenn es mir nicht so gut geht, hervorzuholen. Dann sehe ich zum Beispiel meine 3 Kastanienbäume, auf denen ich als Mädchen mit meinen zwei Brüdern viel herumkletterte. Oder dann rieche ich den besonderen Duft der Badi, wo ich in meiner Jugend die Sommerferien verbrachte. Das tut gut! Deshalb habe ich auch wieder angefangen, 2 Mal pro Woche schwimmen zu gehen. Das tut nicht nur körperlich gut, sondern auch meiner Seele.
Bei Buchmann und Partner habe ich heute bis vier Uhr gearbeitet. Mehr lag nicht drin. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das auch noch hinkriegen werde. Am Abend gehe ich mit meiner Mutter essen. Meine Mamma ist schwer krank. Wir reden über unsere kürzlichen Ferien in Tunesien. Dort hatte ich sie ganz für mich allein! Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zwei soviel zusammen gelacht haben!

Um zehn bin ich im Bett. Ich lese noch im Buch, das mir Ramón geschenkt hat, es heisst: “Supergute Tage!“.

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Walking

Mit dem Ziel, allererst wieder eine geregelte Tagesstruktur einzurichten, stellte Buchmann und Partner für Frau V.M. einen Arbeitsplatz in den eigenen Büros zur Verfügung. Hier absolvierte Sie, ohne externen Druck, ein Arbeitstraining. Gleichzeitig wurde sie auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet, so zum Beispiel mit einem Coaching für Bewerbungsgespräche.

 

Vor acht Jahren bin ich das erste Mal zusammengebrochen. Bumm! Es war, wie wenn man den Stecker herauszieht: Kein Licht, kein Ton, keine Kraft. Und als ich dann am Boden lag und wieder zu mir kam, fragte ich mich: „Läck, was isch das gsi?“ Es war an einem lockeren, ruhigen Sonntag.

Und am nächsten Tag habe ich es meinem Chef auf dem Bau erzählt. Der Chef schickte mich sofort zu seinem Hausarzt und der sagte: „Doch, doch, man hört öppis!“ Und dann sollte ich zum Spezialisten gehen. Da hatte ich das erste Mal Angst. Ich bin nicht hingegangen.

Ich habe früher im Blumenhandel gearbeitet, das Doppelte verdient wie auf dem Bau. Die Verhältnisse waren damals schlimm. Mein Chef hat seine Arbeiter schlecht behandelt. Das musste ich nicht haben. Und dann war ich 10 Jahre auf dem Bau, bis es passiert ist.

Vor 6 Jahren hatte ich einen Autounfall. Es war anfangs Dezember. Ich war zum falschen Zeitpunkt im Spital, weil ich Samichlaus bin. Alle fragten: Wo ist der Samilchlaus? Ich machte einen Riesenwirbel, um schnell wieder aus dem Spital zu kommen. Die Ärztin fragte mich dann: “Was sind sie von Beruf? Maurer? Sofort 100% arbeitsunfähig! Fertig lustig!“ Da habe ich angefangen zu heulen... ich habe einen Herzfehler!

Ich dachte: Okay, jetzt muss ich umdenken! Als ich das erste Mal auf dem Arbeitsamt war und sagte, ich wolle etwas im sozialen Bereich, da meinte die Berufsberaterin: “Pfarrer“. Pfarrer sollte ich werden!!! Und ich antwortete: „Wissen Sie was: Ich bezahle ja nicht einmal Kirchensteuer!“ Und dann, nach zwei Jahren, war ich - entgegen den Ratschlägen der Ärzteschaft - wieder voll auf dem Bau tätig. Es folgten weitere Zusammenbrüche, und dann befahl der Huber, mein Chef: „Jetzt ist fertig!“ Dann wurde ich wieder arbeitslos.

Damals hatte ich jedes Mal eine richtige Krise, wenn ich Geld vom Arbeitsamt auf der Bank holen musste. Ich hatte das Gefühl, mich schämen zu müssen, weil ich ja nicht gearbeitet hatte fürs Geld.

Mit dem Berater auf dem Arbeitsamt war es nicht einfach. Ich sagte ihm acht Monate lang, dass ich einen echten Beruf erlernen wollte. Mich nicht einfach als Hausabwart bewerben oder so. Ich wollte wieder als Spezialist arbeiten!

Von einer Bekannten hatte ich von der Firma Buchmann & Partner gehört und dass die etwas von Wiedereingliederung verstehen. Deshalb bin ich kurz darauf zur IV gegangen und habe gesagt: „Ich gehe jetzt zu Buchmann & Partner, zum Zufferey! Dort habe ich dann Erfolg!“ Und die IV hat mich tatsächlich zu Herrn Zufferey geschickt.

Dann habe ich losgelegt mit dem Zufferey. Sehr intensiv! Ich habe ihm vom ersten Moment an vertraut. Er ist ein Vollgas-Typ in seinem Job! Nach zwei Sitzungen haben wir herausgefunden, dass es in Richtung Logistik gehen könne. Kurz darauf meinte er: „Jetzt gehen wir uns vorstellen!“ Ich kannte die Firma. Und die sagten: „Wir stellen nicht einfach Leute an, die von der IV kommen und dann wieder gehen. Wir möchten jemand anlernen, der dann bleibt!“.

Jetzt mache ich nach Artikel 32 eine abgekürzte Lehre als Logistikassistent. Gehe jede Woche auch einmal in die Schule. Einwandfrei! Bekomme dann ein Diplom als Logistiker! Am Anfang gab es ein rechtes Hin und Her wegen der Kohle: Die ersten 5 Monate Einführung, die sogenannten Einarbeitungstaggelder, hat das Arbeitsamt bezahlt; seither zahlt die SVA. Mein Arbeitgeber übernimmt die Ausbildungskosten und das Schulmaterial. Nach zwei Jahren ist die Ausbildung fertig, dann stehe ich wieder auf eigenen Beinen.

Ich wollte nie eine Rente oder Teilrente: Stellen Sie sich vor, Sie gehen sich vorstellen und sagen: „Ich habe da noch eine Rente…“ und glauben, dass der Arbeitgeber sich darüber freut, weil er nicht so viel bezahlen muss. Der andere aber sagt oder denkt: „Der ist ein Risiko, den will ich aber gar nicht!“ Wenn ich dann noch sage: Ich hab es auf dem Herzen….!

Heute habe ich einen Schoggi-Job, verglichen mit der harten Arbeit auf dem Bau! Ich stehe um halb sechs auf. Immer! Um fünf nach sieben bin ich im Geschäft. Lieber 25 Minuten zu früh, als fünf Minuten zu spät. Um 9 Uhr ist bereits wieder Pause. Da gibt es einen Haufen Leute, die während der Arbeit viel schwatzen. Aber wenn Pause ist, da redet niemand! Alle sind nur am SMS-len! Da gehe ich dann hinauf in die Küche. Dort sitzt noch ein altgedienter Staplerfahrer. Wir hören gemeinsam DRS 1 und essen unseren Znüni. Das ist gut so.

Ich arbeite bei einer Handelsfirma in einem grossen Lager mit rund 10'000 Artikeln. Ich gehe mit meinen Rüstzetteln durchs Lager, stelle die Waren zusammen, verpacke sie für den Versand, gebe die Zettel ab. Das ist meine Aufgabe: Die Sachen zu kommissionieren. Der andere macht dann Lieferschein und Rechnung. Später werde ich auch lernen, mit dem Stapler zu fahren, Buchungen am Computer zu machen… Es braucht von mir Initiative, dass ich an solche Arbeiten herankomme. Manchmal kommt der Chef mit dem Trottinet um die Ecke gedüst... aber ich habe da kein Problem, denn ich schwatze ja nie bei der Arbeit.

Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Stelle. Ich wurde so unglaublich freundlich aufgenommen in dieser Firma. Die Leute haben mir so viel Hilfe zugetragen, Verständnis gehabt für meine Situation und meinen Herzfehler. Ich hätte mich nicht getraut, die Hälfe davon zu wünschen!

Vor 15 Jahren habe ich angefangen, asiatisch zu kochen. Ich koche abends für meine Frau, da sie noch später als ich nach Hause kommt. Sie hat eben die Meisterprüfung als Floristin bestanden. Im Winter kommt sie oft erst um 22 Uhr von der Arbeit, manchmal sogar später.
Das ist dann schon eine Probe für unsere Beziehung. Ich sage immer: Schaffen, das können wir immer. Aber die gemeinsame Zeit mit dem Partner ist begrenzt! Damit muss man ganz sorgfältig umgehen. Denn sie ist das Wertvollste, was man hat.

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Heute bewache ich das wohl bekannteste Zunfthaus in Zürich: das Zunfthaus zur Zimmerleuten, das vor wenigen Tagen abgebrannt ist. Ich arbeite bei der Securitas.

Um 5 Uhr stehe ich auf. Ich dusche heiss, ganz heiss – das hilft gegen die Unterkühlung des Körpers. Ich trinke meinen Tee, und ziehe mich warm an. Warm anziehen heisst für mich: Tausend Sachen überziehen: Thermo-Unterwäsche, Pullover, nochmals Pullover… Uniform.

Ich fahre mit dem Bus zur Arbeit. Ich verstecke meine Uniform unter einer Jacke, damit niemand sieht, dass ich von der Securitas bin. Nur so darf ich an der Bushaltestelle noch schnell eine Zigarette rauchen oder im Bus ungestört, mit MP3-Player und Kopfhörer ausgerüstet, Musik hören.

Ich fahre direkt zu meinem Dienstort – heute zum Limmatquai. Um Viertel vor sieben löse ich meinen Kollegen von der Nachtschicht ab. Punkt Sieben beginne ich meinen Dienst.

Während meinem Dienst muss ich den ganzen Tag ruhig dastehen. Ich darf weder essen noch trinken. Nicht mal ein Kaugummi ist erlaubt. Ab und zu gehe ich dann schon ein paar Schritte hin und her, sonst ist die Kälte fast nicht auszuhalten.

Um 11 Uhr mache ich eine halbe Stunde Pause. Ab an die Wärme! Zigarette rauchen, etwas kleines essen. Um 15 Uhr werde ich abgelöst. Ich versorge mein Beret in der Sporttasche und ziehe wieder meine Tarnjacke an. Manchmal arbeite ich an einem Tag auch einen 11 oder 12 Stünder. Das ist dann schon heavy.

Bei der Securitas arbeite ich seit dem Zürifäscht. Am Anfang habe ich viel auch nachts gearbeitet. Das hat mir aber überhaupt nicht gepasst, immer so allein mit dem Velo unterwegs. Da muss man schon ein Einzelgänger sein, um diesen Job aushalten zu können. Man verliert ganz schnell alle sozialen Kontakte. Und die Beziehung leidet enorm. Jetzt arbeite ich am Tag. 80-120%. Ich werde im Stundenlohn bezahlt.

Ich mache diesen Job, weil ich Geld brauche. Ich arbeite gerne als Securitas, aber eigentlich warte ich darauf, eine Ausbildung als Sozialpädagogin starten zu können. Ich habe mich an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Luzern beworben. Da bekomme ich aber frühestens 2009 einen Platz.

Ich war zwanzig, also vor etwa 4 Jahren, als der Albtraum begann. Seitdem verbrachte ich viele Tage im Spitalbett, zuhause liegend oder in der Reha-Klinik.


Das kam so: Ich hatte mir bei einem kurzen Spurt – an einer Tankstelle, auf dem Weg von der Toilette zum Auto – die Hüfte ausgerenkt. Wie es dazu kommen konnte ist bis heute ein Rätsel. Beim wieder Einrenken der Hüft ist es dann wohl passiert: Mein Becken brach auseinander. Ich hatte einen sechsfachen Beckenbruch. Und unbeschreibliche Schmerzen!


In Schiers im Bündnerland, wo der Unfall passiert war, war ich 3 Tage in einem kleinen Spital. Dann wurde ich mit einem Krankenwagen nach Zürich ins Balgrist transportiert. Die Fahrt war eine Tortur. Ich spürte jeden kleinen Stein auf der Strasse… es war furchtbar.


Dann wurde ich operiert und wieder operiert!

Schrauben rein – Schrauben raus – Platten rein – Notoperation – Intensivstation, usw. Da ich über so lange Zeit starke Schmerzen gehabt habe, wurde ich von den Schmerzmitteln zudem morphiumabhängig. Das war das Schlimmste von allem, die körperliche Abhängigkeit und der darauffolgende Entzug.


Dann habe ich mir – entgegen den Ratschlägen der Aerzte - ich ein künstliches Hüftgelenk einbauen lassen. Erst dann - nach vielen Jahren des Leidens - war endlich wieder Lebensqualität eingekehrt. Seitdem fühle ich mich wieder wohl in meinem Körper. Ich halte mich fit und treibe Sport.


Schon kurze Zeit nach meinem Unfall wurde ich von meinem Arbeitgeber, wo ich als Koch gearbeitet hatte, gekündigt. Es war auch mir klar, dass ich nicht mehr auf meinem gelernten Beruf arbeiten konnte. Die körperliche Belastung war zu gross.


Dank meiner Betreuerin von der SUVA Versicherung kam ich mit Buchmann & Partner in Kontakt. Dort machte ich diverse Eignungstests und berufliche Abklärungen. Aber nicht nur das: Als klar war, was ich werden wollte, nämlich Sozialpädagogin, half mir Buchmann & Partner die richtigen Unterlagen zusammenzustellen, meinen Lebenslauf zu schreiben, und Bewerbungen rauszuschicken.


Ich bekam zwar viele Absagen, aber schliesslich fand Ramon Carbonell für mich eine Stelle als Praktikantin in einem Heim für schwererziehbare Kinder und Jugendliche. Diese Stelle hat mir sehr gefallen: Ich übernahm so quasi die Mami-Rolle, war viel mit den Kindern allein, trug viel Verantwortung. Einziger Nachteil: Man verdient wenig im sozialen Bereich. Deswegen, und weil ich keine weitere Praktikumsstelle gefunden habe, arbeite ich jetzt bei der Securitas und warte, bis ich an die Schule kann. Die Schule dauert 3 Jahre. Die IV bezahlt das Schulgeld und ein Taggeld während der Ausbildung.


Abends, wenn ich nach Hause komme, werde ich allererst von meinem Büsi begrüsst. Ich lebe mit meiner Freundin in einer schönen

4 ½ Zimmer Wohnung mit Cheminée. Auch sie arbeitet als Sozialpädagogin. Wir haben die Hausarbeiten aufgeteilt: Sie kocht und ich putze.

Auch heute werden wir zusammen essen und ein Gläsli Wein trinken. Dann werde ich – wie so oft – vermutlich auf dem Sofa einschlafen.

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Ich habe mich als kleiner Junge verbrannt. Ich war erst fünf, mein Onkel hat grilliert und Brennsprit ins Feuer gegossen. Dann gab es eine riesige Stichflamme. Ich bin nah dabei gestanden….

Ich habe Narben im Gesicht und am Oberkörper. Als Kind und während meiner Schulzeit wurde ich unzählige Male operiert. Ich verpasste dadurch mehrere Schuljahre und landete in der Real. Dann bin ich in ein Loch geraten und alles war mir piep­egal.

Nach der Schule habe ich eine Spenglerlehre angefangen. Doch meine Narben haben die Chemikalien nicht vertragen. Ich bekam einen Ausschlag. Es war klar, dass ich die Lehre hinschmeissen musste. Meine Mutter hat mir dann mit viel Glück eine Lehre bei Ihrem eigenen Arbeitgeber in Steckborn gefunden. In Steckborn, wo ich aufgewachsen bin. gibt es den Bodensee, herrlich im Sommer, aber das war’s dann schon. Hier konnte ich eine KV-Lehre machen, was für einen Realschüler nicht gerade üblich ist. Und ich habe gut abgeschlossen!


Mit meinem Arzt, dem Hautspezialisten, wurde beschlossen, dass ich nach der Lehre weitere Operationen machen würde. Deswegen war die Suche nach einer Arbeitsstelle sehr schwierig, weil ich nicht 100% verfügbar sein konnte. Zu dieser Zeit schrieb ich über 160 Bewerbungen! Ohne Erfolg. Als Grund für die Absagen wurde oft meine fehlende Erfahrung ins Feld geführt. Als ob eine Lehre keine Erfahrung wäre! Das hat mich sehr gestört. Sobald ich bei einem Vorstellungsgespräch merkte, das dies der Grund für eine Absage sein sollte, wurde ich sarkastisch und teilweise auch zynisch. Denn ich bin mir auch heute nicht ganz sicher, ob nicht meine Narben der wahre Grund für das Nein waren.

Zum Glück habe ich meine Versicherung, die mir damals den Lohnausfall bezahlte. Sie trägt die volle Verantwortung für mich, bis ich mein Leben voll im Griff habe und selbständig für mich sorgen kann. Sie war es auch, die mich an Buchmann & Partner vermittelte. Dort hat man meine Situation genau analysiert – und schon kurze Zeit später auch einen Job gefunden, wenn auch nur für eine befristete Zeit.
Für mich war es ein Moment der Erlösung, wieder arbeiten zu dürfen. Ich war damals an einem Tiefpunkt angelangt, obwohl ich nicht einer bin, der sich auf den Boden drücken lässt. Von da an ging es nur noch aufwärts.
Seit anfangs Jahr arbeite ich bei einer Versicherungsgesellschaft in Winterthur. Diese Stelle habe ich nur dank fünf oder sechs guten Referenzen bekommen. Auch da hat mich Buchmann & Partner unterstützt.

Mein jetziger Job gefällt mir sehr. Ich arbeite im Back-Office in einem kleinen Team: Acht Frauen und ich als Hahn im Korb!
Das war am Anfang ein Sprung ins kalte Wasser: Ich musste schnell und viel lernen und mir das nötige Fachwissen aneignen. Denn: wenn ein Versicherter anruft, dann erwartet er eine Antwort, die wie aus Kanonen geschossen kommt! Da darf man nicht unsicher sein!
Ich habe eine gleitende Arbeitszeit und schätze es sehr, so in den Tag zu gleiten. Ich gehe zu Fuss zur Arbeit. Ein hervorragender Muntermacher, so ein Morgenspaziergang. Im Geschäft fahre ich meinen PC hoch, beginne meine Mails herunterzuladen und die zahlreichen Pendenzen abzuarbeiten.

Mittags nur ein Sandwich - dafür koche ich abends ausgiebig für mich allein. Ich achte auf gesunde, ausgewogene Ernährung. Viel Vitamine! Damit ich nicht schlapp mache. So habe ich - und auch mein Geschäft etwas davon.
Zweimal in der Woche trainiere ich Fussball. Am Wochenende ist dann meistens auch Match. Ich spiele in der vierten Liga, bin der kleinste und jüngste Spieler in der Mannschaft. Fussball bedeutet mir sehr viel und ist ein Superausgleich zu meinem Schreibtisch-Job.
Ja, das Wochende! Es ist für mich zum Heiligtum geworden und ich zelebriere es in vollen Zügen. Da ist immer was los! Ich bin viel mit Kollegen unterwegs oder besuche meine Familie. Meine Kollegen mögen mich so wie ich bin. Da gibt es keine Berührungsängste.

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„Chönt Si das nid ä chli liesliger mache?“...

Ich sitze im Schnellzug nach Zürich. MP3-Player in der Tasche und „Heavy Metal“ in den Ohren. Die Frau hat recht, ich dreh den Sound runter. Der Zug fährt im HB ein. Ich bin unterwegs zu Buchmann und Partner, da haben sie für mich einen Arbeitsplatz eingerichtet. Dienstags und donnerstags beschäftige ich mich dort intensiv mit der Stellensuche. Einen Job zu haben ist nicht schwer, einen zu finden dagegen sehr. Als Epileptiker erst recht.

Bei meiner Geburt und die ersten Tage danach bekam ich zu wenig Sauerstoff. Dadurch vernarbte sich meine rechte Gehirnhälfte. Doch erst mit siebzehn Jahren machte sich das bemerkbar: Ich erlitt meinen ersten epileptischen Anfall - mitten in einem Zürcher Warenhaus.

Seitdem habe ich einen Anfall etwa 1 Mal pro Monat. Wenn ich Stress habe, sind die Abstände noch kürzer. Morgens, beim Aufstehen, merke ich manchmal, dass etwas nicht stimmt, doch verhindern kann ich einen Anfall nicht.

Mein Gehirn wurde auf jede mögliche Art von Spezialisten untersucht und ich schlucke täglich 3 verschiedene Medikamente. Es gibt viele Vorurteile, denen Epileptiker unterworfen sind. Man kann leider heute noch wenig gegen die Krankheit machen. Auch mit Therapien nicht.

Trotz meiner Behinderung bekomme ich keine IV-Rente. Gelernt habe ich ursprünglich Tiefbauzeichner. Die Lehre musste ich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Dann habe ich eine Lehre als Fotograf begonnen. Heute habe ich einen Lehrabschluss als digitaler Fotograf. Die Prüfung habe ich in Wien abgelegt und habe ein Diplom, das in allen EU-Staaten und der Schweiz anerkannt wird.

Doch dann geschah ein Unfall. Vor 3 Jahren stürzte ich bei einem Epi-Anfall so unglücklich, dass ich mir das Schultergelenk brach. Seitdem „kugelt“ mir die Schulter mehrmals am Tag aus. Ich renke sie dann unter starken Schmerzen wieder ein. Operieren kann man nicht: Das Risiko einer Vollnarkose ist wegen der Epilepsie zu gross.

Wegen meiner kaputten Schulter ist es schwierig, als Fotograf zu arbeiten. Deshalb suche ich auch in ganz anderen Bereichen. Ich lese die Tageszeitungen aus der Ostschweiz, wo ich wohne, suche im Internet und bewerbe mich jede Woche bei mehreren Betrieben. Buchmann und Partner unterstützt mich da voll. Zusammen mit Patrick Zufferey habe ich mich auch schon bei mehreren Betrieben vorgestellt. Bis heute leider ohne Erfolg.

Schon von Klein auf habe ich leidenschaftlich gerne gezeichnet, gemalt und auch gesprayt. Bis ich die japanischen Comics entdeckte, die Mangas. Sie haben meinen heutigen Stil stark beeinflusst. Ich möchte meine Bilder bald einmal ausstellen und male fast jeden Tag.

Bei Buchmann & Partner arbeite ich in der Regel bis in den frühen Nachmittag, je nachdem, wie ich mich gesundheitlich fühle. Auf dem Heimweg schaue ich oft bei einem Comics-Laden rein, um mich zu inspirieren.

Ich wohne bei meinen Eltern und meinen zwei Katzen, die ich sehr mag. Zuhause mache ich oft 3 Mal pro Woche mein „Workout“, das beinhaltet ein Bauchmuskel­training, Hanteltraining und den Hometrainer. Mit sichtbarem Erfolg: Ich stärke nicht nur meine Muskeln, sondern habe im letzten Jahr auch mehrere Kilos abgenommen.

Abends überrasche ich meine Freundin oft mit feinem chinesischem Essen. Ich koche leidenschaftlich gern. Dann spielen wir manchmal zu zweit oder mit Freunden Poker.

Ich bin froh, dass ich bei Buchmann und Partner ein Arbeitstraining machen kann. Ich schätze den geregelten Tagesablauf und komme so auch unter die Leute. Mit Malen allein würde ich verrückt werden.

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Morgens um fünf bin ich schnell aus dem Haus. 3 Minuten bis zur S-Bahn, 10 Minuten Fahrt, 2 Minuten zu Fuss – und schon sitze ich an meinem neuen Arbeitsplatz.

Ich arbeite bei einer wichtigen Schweizer Krankenkasse in der Abteilung Posteingang. Täglich erreichen uns 15'000 - 20'000 Tarmed-Belege aus der ganzen Schweiz. Jeder dieser Belege muss genaustens kontrolliert werden, bevor man diesen einscannt. Da müssen zum Beispiel Gümmelis und Büroklammern weg.

Ich habe meinen Blick geschärft und benötige für die Kontrolle eines Beleges ungefähr 2 Sekunden, für komplizierte Belege etwas länger. Wenn einer unserer 10 Mitarbeiter zu schnell ist, wird er zurückgepfiffen, denn auch hier gilt: Qualität vor Quantität.

Es gibt Mitarbeiter, die machen tagein tagaus nichts anderes, als solche Belege zu kontrollieren. Da muss man aufpassen, dass man mit der Zeit nicht verkalkt. Ich habe mehr Glück, denn als Stellvertreter des Chefs übe ich auch andere Funktionen aus: Arbeitsplanung, Einteilung des Teams, Statistik nachführen und andere administrative Arbeiten.

Früher hatte ich eine Kaderstellung in einem Finanzunternehmen. Ich spreche 4 Sprachen und auch wenn mein heutiger Job nicht so anspruchsvoll ist, so bin ich doch froh, einen Gang zurück geschaltet zu haben und nicht mehr 24 Stunden für das Geschäft verfügbar sein zu müssen. Klar musste ich auch den Gürtel enger schnallen aber es hat sich gelohnt.

Mittagspause: Wir haben mehrere Restaurants in unserem Betrieb. Hier treffe ich immer wieder auf neue Gesichter. Es ist mir wichtig, Kontakt zu haben. Nach dem Essen gehe ich oft mit meinem Chef am Fluss entlang spazieren. Mein Chef ist 61, vielleicht kann ich später mal seinen Posten übernehmen. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Mit ihm habe ich in den ersten 2 Wochen mehr geredet als mit meinem früheren Chef in 3 Jahren! An meiner alten Stelle wollten sie mich loswerden. Ich erlitt ein Burnout.

Bei Buchmann & Partner habe ich dann wieder Fuss gefasst. Ich absolvierte ein tägliches Arbeitstraining, jeweils am Vormittag. Ich lernte, wie man ein Bewerbungsdossier optimal zusammenstellt und ein Vorstellungsgespräch führt. Das musste ich mehrmals üben. Wir haben es auf Video aufgenommen und analysiert. Da kam zum Vorschein, dass ich zu wenig dynamisch wirke. So habe ich mir dann angeeignet, auch mit den Armen und Händen zu reden. Das hat gewirkt. Dort wurde mir vorgelebt, was ein gutes Arbeitsteam ist. Ich wurde immer freundlich behandelt. Das hat mein Selbstwertgefühl gestärkt.

Beim jetzigen Job erledige ich am Nachmittag Spezialaufgaben und um 15:00 ist Feierabend. Oft gehe ich joggen. Ich bin mit einer Japanerin verheiratet. Ich lerne und spreche schon recht gut japanisch. Wir haben zwei Kinder, beides Teenager. Das verlangt oft innere Gelassenheit und Ruhe. Die habe ich von den Japanern gelernt. Ich bewundere die japanische Kultur und Lebenseinstellung, vor allem, mit welchem grossen Respekt Sie ihren Mitmenschen entgegentreten.

Abends helfe ich meinen Kindern bei den Hausaufgaben. Dann wird gekocht, meistens japanisch. Den Abend geniesse ich mit meiner Frau, wir diskutieren oder lesen. Momentan lese ich das neuste Buch von Kazuo Ishiguro. Es heisst "Never let me go":
Es handelt von Menschen die geklont werden um als Organspender zu dienen. Gruselige Geschichte aber hochspannend.


 

Ich bin Tramführer. Mein Tram fährt heute um zwanzig vor sechs, 5:39, um genau zu sein.

Deshalb stehe ich bereits fünf vor halb vier auf. Klassische Musik begleitet mich beim Aufstehen. Duschen kann ich nicht um diese Zeit, das ist zu früh. Meine Katze macht lustigerweise meinen Rhythmus mit. Auch sie will ihren „Food“. Wir frühstücken gemeinsam ausgiebig.

Heute muss ich in der Zentralwerkstätte in Altstetten ausfahren.

Zwanzig nach fünf schwinge ich mich aufs Velo. Dort angekommen stelle ich als erstes mein Velo hinten ins Tram - wie immer.


Meine Dienstablösung ist genau in 5 Std. und 5 Min. in der Kalkbreite. Deshalb, in der Kalkbreite ankommen, halte ich kurz an, steige aus meinem „Hüüsli“, steige mit meinem Velo aus und stelle es abgeschlossen hinter einen Busch. Zurück in die Führerkabine und… fort! Das ganze dauert genau 20 Sekunden.

Die wenigen Fahrgäste schauen mich dann schon ein bisschen komisch an. Da ich meinen Dienst wie gesagt in der Kalkbreite beende, spare ich enorm Zeit für den Heimweg, denn mein Velo steht ja dann schon da. In Albisrieden habe ich 6 ½ Minuten Pause, ich hole mir schnell etwas vom Beck, lasse mir einen Kaffee raus und fahre gleich wieder los.

Langsam merke ich die Veränderungen des Tages: Am Anfang bist du alleine mit ein paar wenigen Fahrgästen unterwegs. Ich sage dann meistens nicht so viel, ich weiss, wie das ist: Wer schon so früh unterwegs, will seine Ruhe. Bis sieben Uhr ist es ruhig. Dann plötzlich macht’s „schwupps“ und das Tram ist voll.

Wir werden von der VBZ angehalten, am Anfang und am Schluss einer Fahrt die Fahrgäste zu begrüssen und zu verabschieden. Das macht für mich wenig Sinn, wenn ich am Anfang oder am Schluss für ein, zwei Personen eine Durchsage mache. Deswegen sammle ich zuerst Leute ein, und so ungefähr ab Hubertus mache ich meine Durchsage, zuerst auf Schweizerdeutsch: „Liäbi Fahrgäscht, I begrüesse Sie uf der Linie 3… wünschä ä guete Tag und ä schöni Fahrt!“ Dann auf Hochdeutsch: „Nächster Halt: Krematorium Sihlfeld!“. Die Stationen sind in Schriftdeutsch anzusagen, so steht es im Reglement.

Am Hottingerplatz steigt der Herr Bundesrat Moritz Leuenberger ein! Das ist natürlich ein Highlight! Am Hauptbahnhof steigt Leuenberger wieder aus, vermutlich nimmt er den Zug nach Bern ins Bundeshaus.

Es gibt da verschiedenste Fahrgäste, Prominente aber auch Obdachlose: Spezielle Leute, die kennt man dann mit der Zeit. Viele davon sind nicht „guet z’wäg“ oder am Morgen schon mit dem Bier unterwegs. Da ist zum Beispiel das „Sackmannli“. Er trägt einen langen weissen Bart und hat immer dutzende Plastiksäcke bei sich. Streunt die ganze Zeit in der Stadt herum.

Ich bin mit dem Tram fast immer pünktlich. Das hängt mit meinem Perfektionismus zusammen. Wenn ich eine Minute Verspätung habe, werde ich kribbelig. Daran arbeite ich noch.

Eine Verspätung holt man nicht auf, indem man „bolzt“, also schneller fährt. Ich habe meine eigenen Tricks. Ich sage dem „Geschicktes Haltestellen-Management“. Und das geht so: Ich fahre in eine Haltestelle rein und mache auf Knopfdruck alle Türen auf! Die Leute müssen also nicht zuerst auf den Knopf drücken, sondern die Türen sind schon offen. Dadurch spare ich bestimmt 10 Sekunden ein. Dann gibt es diejenigen, welche anderen den Knopf halten, da kann ich nichts machen. Der Fahrplan gerät dadurch vor allem in den Rush Hours aus den Fugen, was immer und immer wieder ganze Tramzüge blockiert. Das gibt dann diese Reihe blauer Dominosteine - eine blaue Wand von Trams… und es geht nicht mehr weiter.

Um 10:44 endet meine Schicht. Ich bin vier Mal zum Klusplatz und vier Mal nach Albisrieden gefahren.
Ich mache dann wieder meine Ansage: „Geschätzte Fahrgäste, beim nächsten Halt gibt es einen Fahrerwechsel. Ich verabschiede mich von Ihnen und wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ Meine Ansagen kommen unheimlich gut an. Ich habe da schon Schokolade geschenkt bekommen, Prosecco-Piccolo, Schoggi-Osterhasen. Es gibt viele, auch junge Leute, die beim Aussteigen „Adieu“ oder „Merci“ sagen. Andererseits, wenn ich jemandem extra die Tür nochmals aufmache und dieser sich nicht bedankt, dann rufe ich selber ganz laut „Merci“!

Ich kann aber nicht immer die Türe nochmals aufmachen, vor allem dann nicht, wenn mit dem Türen schliessen dem Lichtsignal bereits den Befehl zum Weiterfahren gegeben wurde.

Es gibt Leute, die sich die Knöchel wund klopfen, damit ich Ihnen die Türe aufmache. Ich schaue sie dann einfach nicht an, um sie nicht noch mehr zu provozieren. Mit solchen zum Teil schwierigen Situationen, z.B. heftigen Beleidigungen, muss man irgendwie selber fertig werden. Eine psychologische Schulung erhält man während der Ausbildung zum Tramführer nicht.

Es gibt zwar die Möglichkeit, in schwierigen oder brenzligen Situationen einen Notruf abzusetzen, um mit der Leitstelle zu kommunizieren. Es gibt auch den sogenannten „stillen Alarm“. Auf der Leitstelle hören dann alle mit und können sofort reagieren wenn es kritisch werden sollte.

Ich wurde auf vier verschiedenen Tramtypen ausgebildet. Das Fahrverhalten dieser Trams ist völlig unterschiedlich. Das neue Cobra Tram kann ich zum Beispiel an einer Haltestelle fast millimetergenau anhalten. Das alte Mirage hingegen ist ein unheimlich schweres Tram, es wiegt 30 Tonnen! Bis das nur in Gang kommt oder abbremst! Die Bremsen des Mirage werden zum Teil noch mit Druckluft betrieben, da muss man schon ein bisschen ein „Gspüri“ haben.

In der Kalkbreite wartet bereits meine Ablösung. Ich schwinge mich aufs Velo, fahre nach Hause, ziehe meine Uniform aus, esse etwas, höre Musik, lese die Zeitung, geniesse die wenigen Stunden Ruhe auf dem Balkon. Dann ziehe ich mich wieder um, steige aufs Velo… fahre in die Kalkbreite und fahre mit meinem Tram pünktlich wieder los.

Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Vor einigen Monaten, als der Bürkliplatz umgebaut wurde, mussten die Trams wegen der Baustelle anders fahren. Dreimal mache ich es richtig, beim vierten Mal werde ich durch einen Fahrgast abgelenkt und fahre falsch! Ich drücke den Notruf: „Hallo, ich muss rückwärts fahren!“ „Ja, machen Sie das!“ meldet sich die Leitstelle über den Lautsprecher. Ich renne nach hinten. Da stehen schon zwei Autos im Weg! Ich muss diese zuerst wegwinken, dann steige ich hinten ins Tram, fahre retour, ziemlich weit, damit ich die Weiche elektrisch richtig stellen kann, renne wieder nach vorne… stelle die Weiche…. fahre los…. bemerke, dass ich beim ganzen Manöver hinten den Blinker gesetzt habe und dieser immer noch blinkt! Ich muss bei der nächsten Haltestelle nach hinten rennen …. stelle den Blinker zurück…. Renne wieder nach vorne…. kann endlich weiterfahren!

Am Tessinerplatz, der ist übrigens extrem kompliziert, hat so viele Schlaufen, da komme ich also gefahren…. bin zwar gut vorbereitet…. aber ich vergesse die Weiche zu stellen! Diesmal zum Glück stehe ich noch davor. Ich steige mit dem Weicheneisen aus… stelle die Weiche von Hand um… steige wieder ins Tram und sage zu meinen Fahrgästen: „Ich glaube, da ist ein bisschen der Wurm drin!“
Von der Leitstelle wurde ich nach diesen Zwischenfällen dann aufgefordert, die Fahrtenschreiberscheibe – die Blackbox sozusagen – auszubauen. Es gab schliesslich auch einen 3-seitigen Rapport!

Um 16:57 ist Schluss mit der zweiten Schicht. Ich melde mich bei der Leitstelle ab und begrüsse meinen Nachfolger. Wir wechseln ein paar Worte, machen einen kurzen Rapport. Dies sind eigentlich die einzigen Momente, wo man mit Kollegen ins Gespräch kommt.
Feierabend! Kein studieren mehr, was man noch erledigen müsste. Das ist das coole an diesem Job!

Während der 2-monatigen Ausbildung bin ich alle Geleise abgefahren und habe alle möglichen Situationen durchgespielt. Dann kam die Lehrmeisterzeit, da war ich 20 Diensttage mit einem Lehrmeister unterwegs. Dann die Fahrprüfung mit einer Expertin.

Zu Hause angekommen dusche ich, ich bin mit einer Kollegin zum Abendessen verabredet. Um halb neun ist schon wieder Schluss, denn auch morgen muss ich wieder früh raus!

Der Beruf als Tramführer bereitet mir grosse Freude. Seit meiner Kindheit hat mich alles auf Schienen sehr fasziniert. Ursprünglich wollte ich Pilot bei der Swissair werden. Schlussendlich habe ich aber als Dr. phil. Nat. an der Uni Bern promoviert. Als Biologe habe ich aber nicht lange gearbeitet, es zog mich ins Marketing und in die Kommunikationsbranche.

Bei meinem letzten Arbeitgeber, einer grossen Bank, war ich Projektleiter. Ich erstellte Kommunikationskonzepte, Broschüren, Flyers, etc. Doch die Zusammenarbeit stimmte nicht, ich wurde gemobbt. Schliesslich ging ich jeden Tag mit Angst zur Arbeit, bis es einfach nicht mehr ging.

Buchmann & Partner AG hat mir geholfen, wieder eine Tagestruktur in mein Leben zu bringen. Ich ging da jeden Tag vormittags hin und bewarb mich um unzählige Stellen. Dabei wurde ich vom Buchmann Team tatkräftig unterstützt. Ich suchte wieder einen Job im Bereich Marketing und Kommunikation, doch all meine Anstrengungen verliefen erfolglos. Schliesslich kam die Idee, mich als Tramführer zu bewerben. Im zweiten Anlauf klappte es. Dabei musste ich eine Lohneinbusse von ca. 25-30 % hinnehmen. Da muss man sich anpassen.

Ich arbeite sehr gerne bei der VBZ! Wir sind alle per Du. Auch wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fahre, werde ich immer von Arbeitskollegen gegrüsst: Hier ein Busfahrer, dort ein Tramführer. Man grüsst immer und das ist schön!
Heute entscheide ich selber. Ich trage Verantwortung und habe keinen Chef oder Chefin, die mir während der Arbeit dreinreden. Und vor allem: Jeder Tag ist anders!


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Früher bin ich internationale Bob-Rennen gefahren − heute repariere ich Haushaltsgeräte. Dieser neue Job ist super.

Kurz nach sechs fahre ich von zu Hause los. Eigentlich müsste ich erst um sieben Uhr beginnen, da käme ich aber nie durch mit meinen Terminen.

Seit meinem vor 2 Jahren überstandenen Burnout habe ich den Stress aus meinem Leben verbannt . Ich fahre morgens ruhig mal los, und wenn ich abends alles erledigt habe, dann ist es gut, und sonst ist es auch gut.

Pro Tag bin ich 3-5 Stunden mit dem Firmenwagen in der halben Schweiz unterwegs. Ich habe noch nie eine Geschwindigkeitsbusse erhalten. Da kommt es schon mal vor, dass Einer hinter mir hupt. Dann denke ich: „He, he…. ich bin am Arbeiten! Nicht auf der Flucht!“ Ich bin zwar vielleicht nicht der Schnellste im Strassenverkehr, aber bei den Reparaturen, da geht es dann schon zügig voran. Wenn man solche Strecken zurücklegt wie ich, da bleiben für das Auseinanderbauen und wieder Zusammensetzen einer Maschine knapp 20 Minuten. Das empfinde ich nicht als negativen Stress!

Ich bin nun mal Handwerker! Als ich geboren wurde, hat man mir bestimmt einen Schraubenzieher in die Hand gedrückt und gesagt: „Du bist Mech!“ Kürzlich stand ich vor einer 3-jährigen, kaputten Waschmaschine. Da habe ich zur Besitzerin gesagt: „Schmeissen Sie diese weg, kaufen sie sich eine Neue!“ „Ja, warum?“ „Die erhalten Sie neu für 600 Franken. Wenn ich Ihre Maschine auseinander nehme und eine neue Heizung reinmache, dann kostet die Reparatur 550.“ Darauf kaufte sie eine neue.

Bob fahre ich, seit ich 23 Jahre alt bin. Angefangen habe ich als Bremser, das ist der, der hinter dem Pilot sitzt und den Schlitten anschiebt. Dann hatte ich das Gefühl, es besser zu können. So wurde ich Pilot und gewann später so manches Rennen, sogar auch im Europa-Cup.

Mein Problem war, dass ich nie wirklich Sponsoren fand. Ich erledigte alles selber, und zwar wirklich alles: Trainingsaufbau, Team organisieren, den Schlitten besorgen. So ein Standardschlitten kostet rund 30 Tausend Franken. Dann hast Du aber erst den Schlitten und noch kein Transportfahrzeug, keinen Anhänger und kein Team beisammen.

Ich glaubte damals, Sponsoren zu gewinnen, sobald ich die richtige Leistung erbringen würde. Das hat aber nicht funktioniert. Auch fehlte mir die nötige Zeit, denn im Sommer habe ich immer 100% gearbeitet, unter anderem habe ich Armierungseisen im Akkord verlegt.
Mein erster Club, der Zürcher Bob Club, hatte mir einen Schlitten ausgeliehen. Damit konntest Du nur Bananen gewinnen. Am Anfang war das auch nicht so tragisch. Als ich einmal einen besseren Schlitten auslehnte, sah ich, dass ich gar nicht so schlecht war, verglichen mit den Besten. So begann ich intensiv zu trainieren, kaufte mir einen eigenen Schlitten und baute diesen um: Kufen, Blätter und Achsen habe ich alles selber gemacht.

Später habe ich über den Club einen sehr guten Schlitten bekommen, auch diesen habe ich dann „zwäg“ gemacht. Ich bin die ersten bedeutenden Rennen gefahren und habe den Europacup gewonnen! Doch finanziell klappte es nicht: Obwohl ich zu den Weltbesten gehörte, fehlte mir das Geld. Beim Skifahren gibt es Sponsoren, die Millionen investieren, beim Bobfahren eben nicht. Auch fehlte mir das richtige Beziehungsnetz.

Schliesslich nahm ich sogar einen hohen Kredit auf. Das ging dann alles völlig in die Hosen. Innert kürzester Zeit stand ich vor dem Nichts. Als ich nach der Saison nach Hause kam, stand ich stattdessen so gut wie auf der Strasse.

Das war eine sehr schwierige Zeit für mich und meine Frau. In der ersten Wohnung hatten wir nur eine Matratze und kaum andere Möbel. Dann wurde sie schwanger. „Du bist schwanger… ja toll!“ Aber das kam dann relativ schnell in Ordnung, weil wir damals beide arbeiteten. Schliesslich hatten auch wir ein wohnliches Daheim.

Ich hatte damals einen festen Job als Liftbauer. Dort habe ich mich voll eingesetzt und weit mehr als 100% gearbeitet. Es war vielleicht ein Fehler, dass ich mich im Job genauso engagierte wie im Sport. Du wirst da gnadenlos ausgenutzt. Du arbeitest 50, 60, 70 Stunden die Woche und das über Monate, ja Jahre, hinweg und irgendwann sagte ich zu meinem Chef: „Du Chef, langsam aber sicher mag ich nicht mehr….“ Passiert ist dann trotzdem nichts. Er war sich einfach gewohnt, dass ich so viel gearbeitet und nie gemotzt habe.
Dann kam unser zweites Kind zur Welt. Für mich war es schwierig, Arbeit, Familie und Sport auf einen Nenner zu bringen. Meine Frau meinte: „Du kannst mir jetzt dann in die Schuhe blasen!“

Ja und dann war ich irgendwann so weit, dass ich zusammenbrach, einfach nicht mehr konnte. Da ging überhaupt nichts mehr. Das kam schlagartig, von einem Tag auf den anderen. Meine Frau riet mir: „Jetzt musst Du aber etwas unternehmen!“ Daraufhin ging ich zum ersten Mal zum Psychiater.

Es ging wirklich nichts mehr. Ich lümmelte den ganzen Tag auf dem Sofa herum, wochenlang, monatelang.
Ein Jahr lang ging ich nicht mehr aus dem Haus, ausser in die Therapie. Da bin ich einmal bei Rot über die Kreuzung gefahren. Das merkte ich erst am Hupkonzert hinter mir. „Das überlebst Du nicht!“ sagte ich mir und ich liess mich seitdem von meinem Vater in die Therapie fahren.

Nach einem Jahr im Krankheitszustand legte mir das Geschäft nahe, ich solle kündigen. Meine Versicherung bot mir ein Case Management bei Buchmann & Partner an. Da ging ich dann 1-2 Mal die Woche hin. Und langsam ging es mir dann tatsächlich auch wirklich besser.
Während Monaten bekam ich starke Medikamente, Psychopharmaka, ohne jegliche Wirkung! Mein Arzt war verzweifelt, komplett ratlos. Bis man im Labor mein Blut analysierte und feststellte, dass ich eine 4-fache Dosis benötige, damit der Medikamentenspiegel stimmt. Schuld daran ist mein Stoffwechsel. Auch Schmerzmittel wirken bei mir überhaupt nicht, es sei denn, ich nehme eine Hammerdosis. Bei Kopfschmerzen zum Beispiel muss ich eine 3000 mg Ponstan nehmen. Andere Menschen würden bei dieser Dosis schon lange flach liegen.
Doch dann wurde auch das Schlafen zum Problem. Ich konnte über längere Zeit hinweg nicht mehr schlafen. Ich fing an zu fantasieren, stand regelrecht neben den Schuhen, als ob ich einen LSD Trip genommen hätte.

Erst eine geregelte Tagesstruktur bei Buchmann und Partner half mir, meinen Rhythmus wieder in den Griff zu bekommen. Ich schaute mich erstmals wieder nach einer neuen Stelle um. Nach einiger Zeit klappte das dann wirklich, welch ein glücklicher Tag, der erste Arbeitstag!

Mittlerweile haben wir 3 Kinder. Ich verdiene rund 6000 Franken brutto. Wir wohnen günstig, gönnen uns nur das Nötigste, machen keine Luftsprünge und dennoch: Ende Monat ist unsere Konto leider immer auf Null.

Ich bin heute zufriedener als früher. Mein Leben ist, so wie es ist, in Ordnung.

Heute treibe ich auch wieder Ausdauersport. Im Sport gebe ich Gas, ich renne viermal pro Woche zehn Kilometer und einmal zwanzig Kilometer. Im Frühling will ich an den Greifensee-Marathon. Mit 90 Kilos bin ich noch zu schwer, deswegen will ich abnehmen. Mein Ziel ist es, den Halbmarathon unter 80 Minuten zu schaffen.

Wenn ich an meine Zeit als Bob-Pilot zurückdenke, überwiegt das Positive. Was war das für eine schöne Zeit! Ich realisiere, dass ich damals Fehler gemacht habe: In dieser Sportart ist es nicht das Wichtigste, dass Du Höchstleistungen erbringst, sondern „Connections“ hast. Erst dann solltest du dich auf den Sport konzentrieren.

Ich dachte damals als Spitzensportler: „Wenn ich dieses Rennen gewinne…. da wirst sich sicher jemand für dich interessieren.“ Ich habe viele Rennen gewonnen und alle Konkurrenten heruntergeputzt, doch dafür hat sich nie wirklich jemand interessiert.
Vor einem Jahr sass ich zum Plausch wieder einmal in meinem Bob. In Innsbruck kann man auf der Bob-Bahn einzelne Fahrten machen, man bezahlt pro Fahrt. Das ist schon ein ungeheures Gefühl, mit 140-150 Stundenkilometern durch die Bahn zu rasen: Rechts und links nur einige Zentimeter Raum. Wenn Du da anschlägst, tut das weh. Da ist nichts gepolstert. Das Motto lautet: Schmerz ist geil! Sonst würdest Du niemals Bob fahren.

Alles in allem, wenn ich zurückblicke, so habe ich doch vieles erlebt und kann heute nach meinem Neustart wieder positiv in die Zukunft blicken

 


Gute Menschen finden immer gute Menschen!  Dies habe ich in letzter Zeit immer wieder erfahren.

Ich stamme aus Mazedonien. 1989 kam ich in die Schweiz und habe 20 Jahre lang auf dem Bau gearbeitet.

Vor mehr als 4 Jahren hatte ich einen Bandscheiben­vorfall. Mein Arzt hat mich sofort krankgeschrieben.

Den ganzen Tag zu Hause zu verbringen, passte mir überhaupt nicht. Ich verliess kaum die Wohnung, denn ich wollte mich tagsüber nicht auf der Strasse zeigen. Ich schämte mich. Schliesslich ging ich nach kurzer Zeit wieder auf die Baustelle.

Und dann ist es blöd gelaufen: Ich hatte einen schweren Autounfall mit einer erneuten Rückenverletzung und einem Schleudertrauma. Auch die rechte Schulter war verletzt. Seither habe ich Nackenschmerzen, Kopfweh und auch Ohrenpfeifen (Tinnitus).

Das bedeutete das definitive Aus für meine Arbeit auf dem Bau. Wenn du auf der Baustelle etwas Schweres heben musst, kannst du nicht immer einen anderen holen, um dir helfen zu lassen.

Heute arbeite ich als Pfleger in einem Alterszentrum. Ich arbeite im Schichtbetrieb. Wenn ich Frühschicht habe, stehe ich so um halb sechs Uhr auf. Ich stelle den Radio oder Fernseher an, schaue Nachrichten, trinke Kaffee. Rasieren muss ich mich auch. In der Pflege muss man immer frisch rasiert sein und gepflegt daherkommen.

Um 6.15 bin ich an der Bushaltestelle. Da nehme ich das Postauto, dann den Zug, dann wieder ein Postauto. Das hält genau vor dem Altersheim. Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr. Ich habe also noch rund 20 Minuten Zeit. Ich trinke einen Kaffee, ziehe meine Arbeitskleidung an, binde meine langen Haare zu einem Zopf.

Im ersten Rapport berichtet die Nachtwache über die Ereignisse während der Nacht. Dann wird die Arbeit im Team verteilt. Nun beginnt auch für unsere Bewohner und Bewohnerinnen der Tag: Aufstehen, Morgenpflege, Frühstücken. Wenn jemand länger schlafen will, wird er oder sie natürlich nicht geweckt.

Unser Alterszentrum hat 4 Wohngruppen, diese sind auf 4 Stockwerke verteilt. In einer Wohngruppe leben 15-20 Personen.

Ich betreue abwechslungsweise 2 Wohngruppen. Da muss ich mir viele Namen merken.

Dieser Wechsel alle 2 Wochen ist nicht immer einfach: Ich muss die Krankengeschichte jedes einzelnen Bewohners oder Bewohnerin kennen. Ich habe die Kompetenz erhalten, Medikamente abzugeben, die von Diplomierten gerichtet und kontrolliert wurden. Da muss ich sehr konzentriert sein.

Auch für die Bewohner ist meine Jobaufteilung nicht einfach. Da werde ich oft gefragt „Wänn chömmet Sie wieder? Eimal sind sie da, und dann wieder nid!“ Sie haben wirklich Freude an mir und ich hätte nie im Leben gedacht, jemals so beliebt zu sein!

Der Wechsel vom Bauarbeiter zum Pfleger verdanke ich Buchmann & Partner.

Damals, beim ersten Blickkontakt mit Herrn Rolf Buchmann, wusste ich sofort: „Der will mir helfen!“ Er führte ein langes Interview mit mir. Da kam alles auf den Tisch, meine Kranken­geschichte, der Autounfall, die andauernden Schmerzen und meine berufliche Orientierungs­losigkeit.

Da hatte ich im ganzen Körper ein gutes Gefühl: „Ich glaube, ich bin da in guten Händen!“. Herr Buchmann ist ein Mensch, der andere Menschen wirklich versteht. Er sagte mir: „Das Problem ist nicht, dass Sie nicht arbeiten wollen. Sie wissen einfach noch nicht, was Sie arbeiten könnten. Er hat genau mein Problem erkannt.

Dann hat mich Herr Buchmann an Herrn Carbonell überwiesen. Dieser sagte zu mir: „Da Sie ja nicht wissen, welcher Beruf für Sie in Frage kommt, machen wir zuerst ein paar Schnuppereinsätze!“

Meine erste Schnupperstelle war als Schulhaus-Abwart. Die Zweite war Pfleger in einem Altersheim. Da bin ich bis heute hängen geblieben.

Ein junger diplomierter Pfleger aus Holland, heute Gruppenleiter,  begleitete mich während dieser Schnupperwoche. Er sagte zu mir: „Du schau mal Deine Hände: Die sind für die Pflege geeignet!“

Die ersten 2-3 Tage habe ich nur zugesehen, doch dann durfte ich die Pflege teilweise selber übernehmen. Ich war sehr unsicher. Aber ich habe auch ganz neue Seiten an mir entdeckt. Ich habe mich immer wieder gefragt: “Wieso machst Du so etwas?“. Weil die anderen dies nicht selber machen können!

Ausschlaggebend für meinen heutigen Beruf als Pfleger war das erste Erlebnis mit einer an Demenz erkrankten Bewohnerin. Diese demente Person kann nicht reden, aber die Freude im Gesicht, in den Augen,  nachdem ich diese gepflegt hatte, drückte ein riesengrosses Dankeschön aus.

In solchen Momenten vergisst Du alles, Deine Sorgen, deine Schmerzen, den Job, das Geld. Ich sagte zu mir: „Jetzt mache ich wirklich etwas Menschliches, etwas Gutes!“

Am Tag hört man überall Leute „Danke!“ sagen. Aber es ist ein ganz spezielles Gefühl, ein Danke von einem Menschen zu erleben, der nicht Danke sagen, sondern dies nur mit seinem Gesicht ausdrücken kann.

Nach der Schnupperwoche ging ich zu Herrn Carbonell und sagte: „Das möchte ich machen!“DSC04125.JPG

Nebst der neuen Stelle hat er mir einen Platz in einem Pflegekurs des Schweiz. Roten Kreuzes (SRK) organisiert. Das war nicht ganz einfach, weil diese Kurse einen grossen Andrang haben und sehr gut besucht sind. Ich musste auch eine schriftliche Prüfung in Deutsch ablegen. Der Kurs ist in zwei Module aufgeteilt. Ich war sehr motiviert und habe schliesslich das zweite Modul mit der höchsten Punktezahl bestanden.

Nach der Schnupperzeit durfte ich im gleichen Altersheim ein 6-monatiges Praktikum absolvieren. Dabei wurde ich von der Gruppenleiterin sehr gut eingeführt. Natürlich war der Anfang schwer: Ich sprach gebrochenes Deutsch, und als Mann in diesem Beruf ein Aussenseiter. Ich habe mich oft geschämt, hatte grosse Hemmungen, vor allem bei der Intimpflege. Jetzt ist das ganz normal, weil das Vertrauen da ist.

Meine Arbeitskolleginnen kennen meine Krankengeschichte. Sie sind sehr hilfsbereit und nehmen Rücksicht darauf, dass ich Rückenprobleme habe. Der Pflegeberuf ist für mich eine Art Therapie, ich vergesse meine Schmerzen. In der Zwischenzeit hat sich nicht nur mein Deutsch verbessert, sondern auch mein Selbstwertgefühl.

Als Pfleger trägt man eine grosse Verantwortung. Deshalb finden mehrmals täglich Rapporte statt. Da wird festgehalten, wie es unseren Bewohnern geht, ob jemand zum Beispiel schwächer geworden ist und mehr Hilfe benötigt.

Wir nehmen uns viel Zeit für unsere Bewohner. Ich weiss, dass dies nicht überall so ist und dass alte Leute oft schnell abgefertigt werden, was mich sehr schockiert hat.

Klar, manchmal gibt es auch bei uns Stresssituationen, zum Beispiel wenn alle Patienten gleichzeitig etwas wollen. Aber wenn Du gut organisiert bist, dann geht’s. Man muss einfach ruhig bleiben. Die Bewohner merken das ja auch, ob ich gestresst oder ruhig bin, und dies hat einen grossen Einfluss auf ihr Wohlbefinden.

An Spielnachmittagen wird meistens Eile mit Weile gespielt. Das lieben die Bewohner. Auch ich spiele gerne mit. Schach spielt leider keiner.

Um 15 Uhr gibt’s Kaffee oder Tee mit einem Guetzli. Da müssen wir schon ein bisschen aufpassen wegen dem Gewicht, oder auch wegen dem Zucker.

Nach dem Z’Vieri ist der Frühdienst beendet. Manchmal trinke ich mit meinen Arbeitskollegen noch einen Kaffee. Dann gehe ich zu Fuss bis zum Bahnhof. Kurz vor 17 Uhr bin ich wieder zu Hause.

Auch meine Frau kommt aus Mazedonien. Sie arbeitet seit über 10 Jahren als Näherin. Wir haben sehr jung geheiratet. Nun sind wir bereits Grosseltern.

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Wir wohnen alle im gleichen Mehrfamilienhaus: Mein ältester Sohn und seine Familie wohnen im Erdgeschoss, meine Frau und ich sowie der jüngste Sohn im 1. Stock. Meistens kocht meine Schwiegertochter. Wir essen immer alle zusammen.

Wir sind Moslems. Wenn mich jemand nach der Religion fragt, dann kann ich jedoch kaum Auskunft geben. Meine Frau hat früher zwar ein Kopftuch getragen, aber seit sie in der Schweiz ist auch nicht mehr. Auch die Frauen meiner Söhne tragen keine Kopftücher. Alle Menschen von allen Religionen werden von Gott geliebt. Jeder sollte doch so leben dürfen wie er will.


Als mein ältester Sohn ebenfalls mit 20 heiraten wollte, war ich nicht einverstanden. Ich sagte zu ihm: „Mach nicht den gleichen Fehler wie ich!“ Damit hatte ich ihn verletzt. Er glaubte, ich hätte etwas gegen seine Braut, dabei ging es mir einfach nur ums Alter, denn ich wusste, wie schwierig es ist, so jung zu heiraten.

Im Moment bin ich am Sparen, den ich benötige viel Geld für die Hochzeit meines zweiten Sohnes. Ich habe alles organisiert. Geheiratet wird in Mazedonien im Familienkreis. Beim älteren Sohn waren wir ca. 350 Personen, diesmal werden es sicher ebenso viele sein.