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Case Manager & Partner News März / April 2011

Case Manager & Partner News

Das Nachrichtenmagazin für Kunden und Partner der Z & B Gruppe März / April 2011

Editorial

Rolf Buchmann ist Senior Partner der Buchmann & Partner AG und leitet den Bereich Wiedereingliederung.

Liebe Leserinnen und Leser

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Geschichten das Leben schreibt:

Bob-Bahn St. Moritz: Unser Pilot ist voller Selbstvertrauen, Energie und Kraft. Sprungbereit, seinen Schlitten mit seinem Teamkollegen in wenigen Sekunden von 0 auf über 30km/h anzustossen, in der eisigen Rennbahn auf über 140km/h zu beschleunigen und schliesslich im Ziel von der jubelnden Menge als Sieger empfangen zu werden.

Diese emotionalen Momente des höchsten Glückes und der Zufriedenheit, mit sich und der Welt, zeigen sich in den archaisch anmutenden Posen des “Winners“!

Doch auch dieses „Winner“-Leben kann eine ganz abrupte Wendung nehmen und dann völlig anders aussehen:

Von aussen, von der Umwelt ausgehend, gibt es oft Anhäufungen von beschwerlichen, unvorhersehbaren Ereignissen, die auf einen persönlich wirken und bisher völlig intakte Lebenswege bedrohen und so auch berufliche Karrieren beenden. Dies geschah in unserem Falle nicht, weil die physische Kraft fehlte, sondern weil die psychische ausser Kontrolle geriet. Unser Protagonist sah zu jenem Zeitpunkt nur noch unüberwindbare Hindernisse und ohne eigenes Zutun war alles plötzlich anders. Die Zwänge von aussen summierten sich aus vielgestaltigen Gründen und gipfelten letztlich in menschlichen Unzulänglichkeiten, wie Eigennutz und Neid, dann fehlendem Erfolg und in der Konsequenz blieb das Geld aus. Freunde distanzierten sich, die Umwelt wurde zum Feind, - und schon steht man ganz alleine da.
Die Kraft ist weg, der Glaube an sich selber ebenfalls, man betrachtet sich als ein Nichts…– Ein Teufelskreis!
Man ist ganz unten und der Weg nach oben ist ein langer. Der Kampf gegen sich selbst und mit sich selbst hat begonnen.

RA hat seine tiefe Depression selbst überwunden und seinem Leben wieder einen Sinn gegeben, familiär als auch beruflich. Auch wenn er heute noch nicht dort ist, wo er sein möchte, - nein, sogar: Wo er sein könnte.
Sein Weg ist offen, sein Ziel aber nicht wieder die Bob-Rennbahn. Mit der gesundheitlichen Besserung ist auch Bescheidenheit eingetreten und er hat einen Job, der ihn zufrieden stellt und ihm neue Perspektiven aufzeigt. Der “Winner“ kann auch auf einem anderen Level Siegen und Befriedigung durch den Applaus seiner Familie und seines Arbeitgebers erhalten.

Obwohl der Auftrag durch unseren Kunden auf lediglich drei Monate beschränkt war, haben wir uns entschlossen, den Fall zu übernehmen. Die Aussichten auf Erfolg waren zu jedem Zeitpunkt real, RA brachte einen soliden beruflichen Hintergrund mit und wir waren uns sicher, dass man ihm helfen könne.
Mit Hilfe unseres Partners, der Berufspersonal AG, haben wir RA nach drei Monaten erstmals produktiv eingesetzt und nach circa einem Jahr konnten wir ihn nachhaltig in einem festen Arbeitsverhältnis platzieren.
Es fällt nun auf und man muss zur Kenntnis nehmen, liebe Leser, dass die Stellenvermittlungsarbeit in der Wiedereingliederungstätigkeit ein langwierigerer und aufwändigerer Prozess ist, als man dies allgemein anzunehmen gewillt ist. Als Vermittler gilt es, unfall- oder wie hier, krankheitsbedingte, also die Normalität einengende Faktoren einzubeziehen und sowohl der Komplexität der Person als auch des jeweiligen Umfelds Rechnung zu tragen.

Einige wesentliche Faktoren seien hier genannt und in Erinnerung gerufen:

  • Aus reinem Mitleid oder sozialem Mitgefühl wird im zur Zeit herrschenden Rekrutierungsumfeld kaum jemand einen handicapierten Menschen anstellen

  • Tatsache ist: Die Kandidaten müssen, ob mit oder ohne Handicap, praktisch kompromisslos auf das Anforderungsprofil passen.

  • Die Trefferquote oder Wahrscheinlichkeit, dass ein mit individuellen Fähigkeiten und Mängeln ausgestatteter Kandidat auf eine auch individuell ausgestaltete Stelle passt und trifft, sind sehr gering.

  • Jeder Wiedereingliederungsfall ist ein Einzelfall und kann nur individuell gelöst werden.

  • Buchmann und Partner AG arbeitet mit zahlreichen Partnerunternehmen zusammen. Das Netzwerk ist reich an Bereitschaft, Arbeitsplätze für Menschen mit Besonderheiten oder Behinderungen anzubieten. Die Erfahrung zeigt jedoch: Um einen Klienten (Kandidaten) an ein erstes Vorstellungsgespräch bei einem potentiellen neuen Arbeitgeber schicken zu können, sind in der Regel pro Klient über 100 Telefonanrufe bei potentiellen Stellenanbietern erforderlich

  • Heilungsprozess und Rekonvaleszenz lassen sich zeitlich nicht nüchtern definieren. Aufgrund dieser Abhängigkeit nimmt der Stellensuchprozess viel Zeit in Anspruch, meist mehr, als man das wahrnehmen will. Dies zu bedenken, auch auf die Mittel bezogen, käme manchem Klienten zugute.

Deshalb: Unser Ziel ist es – und es ist mittlerweile auch zu einem unserer unumstösslichen Grundsätze geworden – dass Nachhaltigkeit und Zufriedenheit auf beiden Seiten, beim Arbeitgeber und Arbeitnehmer, unbedingt anzustreben sind.

Rolf Buchmann

 

Früher bin ich internationale Bob-Rennen gefahren − heute repariere ich Haushaltsgeräte. Dieser neue Job ist super.

Kurz nach sechs fahre ich von zu Hause los. Eigentlich müsste ich erst um sieben Uhr beginnen, da käme ich aber nie durch mit meinen Terminen.

Seit meinem vor 2 Jahren überstandenen Burnout habe ich den Stress aus meinem Leben verbannt . Ich fahre morgens ruhig mal los, und wenn ich abends alles erledigt habe, dann ist es gut, und sonst ist es auch gut.

Pro Tag bin ich 3-5 Stunden mit dem Firmenwagen in der halben Schweiz unterwegs. Ich habe noch nie eine Geschwindigkeitsbusse erhalten. Da kommt es schon mal vor, dass Einer hinter mir hupt. Dann denke ich: „He, he…. ich bin am Arbeiten! Nicht auf der Flucht!“ Ich bin zwar vielleicht nicht der Schnellste im Strassenverkehr, aber bei den Reparaturen, da geht es dann schon zügig voran. Wenn man solche Strecken zurücklegt wie ich, da bleiben für das Auseinanderbauen und wieder Zusammensetzen einer Maschine knapp 20 Minuten. Das empfinde ich nicht als negativen Stress!

Ich bin nun mal Handwerker! Als ich geboren wurde, hat man mir bestimmt einen Schraubenzieher in die Hand gedrückt und gesagt: „Du bist Mech!“ Kürzlich stand ich vor einer 3-jährigen, kaputten Waschmaschine. Da habe ich zur Besitzerin gesagt: „Schmeissen Sie diese weg, kaufen sie sich eine Neue!“ „Ja, warum?“ „Die erhalten Sie neu für 600 Franken. Wenn ich Ihre Maschine auseinander nehme und eine neue Heizung reinmache, dann kostet die Reparatur 550.“ Darauf kaufte sie eine neue.

Bob fahre ich, seit ich 23 Jahre alt bin. Angefangen habe ich als Bremser, das ist der, der hinter dem Pilot sitzt und den Schlitten anschiebt. Dann hatte ich das Gefühl, es besser zu können. So wurde ich Pilot und gewann später so manches Rennen, sogar auch im Europa-Cup.

Mein Problem war, dass ich nie wirklich Sponsoren fand. Ich erledigte alles selber, und zwar wirklich alles: Trainingsaufbau, Team organisieren, den Schlitten besorgen. So ein Standardschlitten kostet rund 30 Tausend Franken. Dann hast Du aber erst den Schlitten und noch kein Transportfahrzeug, keinen Anhänger und kein Team beisammen.

Ich glaubte damals, Sponsoren zu gewinnen, sobald ich die richtige Leistung erbringen würde. Das hat aber nicht funktioniert. Auch fehlte mir die nötige Zeit, denn im Sommer habe ich immer 100% gearbeitet, unter anderem habe ich Armierungseisen im Akkord verlegt.
Mein erster Club, der Zürcher Bob Club, hatte mir einen Schlitten ausgeliehen. Damit konntest Du nur Bananen gewinnen. Am Anfang war das auch nicht so tragisch. Als ich einmal einen besseren Schlitten auslehnte, sah ich, dass ich gar nicht so schlecht war, verglichen mit den Besten. So begann ich intensiv zu trainieren, kaufte mir einen eigenen Schlitten und baute diesen um: Kufen, Blätter und Achsen habe ich alles selber gemacht.

Später habe ich über den Club einen sehr guten Schlitten bekommen, auch diesen habe ich dann „zwäg“ gemacht. Ich bin die ersten bedeutenden Rennen gefahren und habe den Europacup gewonnen! Doch finanziell klappte es nicht: Obwohl ich zu den Weltbesten gehörte, fehlte mir das Geld. Beim Skifahren gibt es Sponsoren, die Millionen investieren, beim Bobfahren eben nicht. Auch fehlte mir das richtige Beziehungsnetz.

Schliesslich nahm ich sogar einen hohen Kredit auf. Das ging dann alles völlig in die Hosen. Innert kürzester Zeit stand ich vor dem Nichts. Als ich nach der Saison nach Hause kam, stand ich stattdessen so gut wie auf der Strasse.

Das war eine sehr schwierige Zeit für mich und meine Frau. In der ersten Wohnung hatten wir nur eine Matratze und kaum andere Möbel. Dann wurde sie schwanger. „Du bist schwanger… ja toll!“ Aber das kam dann relativ schnell in Ordnung, weil wir damals beide arbeiteten. Schliesslich hatten auch wir ein wohnliches Daheim.

Ich hatte damals einen festen Job als Liftbauer. Dort habe ich mich voll eingesetzt und weit mehr als 100% gearbeitet. Es war vielleicht ein Fehler, dass ich mich im Job genauso engagierte wie im Sport. Du wirst da gnadenlos ausgenutzt. Du arbeitest 50, 60, 70 Stunden die Woche und das über Monate, ja Jahre, hinweg und irgendwann sagte ich zu meinem Chef: „Du Chef, langsam aber sicher mag ich nicht mehr….“ Passiert ist dann trotzdem nichts. Er war sich einfach gewohnt, dass ich so viel gearbeitet und nie gemotzt habe.
Dann kam unser zweites Kind zur Welt. Für mich war es schwierig, Arbeit, Familie und Sport auf einen Nenner zu bringen. Meine Frau meinte: „Du kannst mir jetzt dann in die Schuhe blasen!“

Ja und dann war ich irgendwann so weit, dass ich zusammenbrach, einfach nicht mehr konnte. Da ging überhaupt nichts mehr. Das kam schlagartig, von einem Tag auf den anderen. Meine Frau riet mir: „Jetzt musst Du aber etwas unternehmen!“ Daraufhin ging ich zum ersten Mal zum Psychiater.

Es ging wirklich nichts mehr. Ich lümmelte den ganzen Tag auf dem Sofa herum, wochenlang, monatelang.
Ein Jahr lang ging ich nicht mehr aus dem Haus, ausser in die Therapie. Da bin ich einmal bei Rot über die Kreuzung gefahren. Das merkte ich erst am Hupkonzert hinter mir. „Das überlebst Du nicht!“ sagte ich mir und ich liess mich seitdem von meinem Vater in die Therapie fahren.

Nach einem Jahr im Krankheitszustand legte mir das Geschäft nahe, ich solle kündigen. Meine Versicherung bot mir ein Case Management bei Buchmann & Partner an. Da ging ich dann 1-2 Mal die Woche hin. Und langsam ging es mir dann tatsächlich auch wirklich besser.
Während Monaten bekam ich starke Medikamente, Psychopharmaka, ohne jegliche Wirkung! Mein Arzt war verzweifelt, komplett ratlos. Bis man im Labor mein Blut analysierte und feststellte, dass ich eine 4-fache Dosis benötige, damit der Medikamentenspiegel stimmt. Schuld daran ist mein Stoffwechsel. Auch Schmerzmittel wirken bei mir überhaupt nicht, es sei denn, ich nehme eine Hammerdosis. Bei Kopfschmerzen zum Beispiel muss ich eine 3000 mg Ponstan nehmen. Andere Menschen würden bei dieser Dosis schon lange flach liegen.
Doch dann wurde auch das Schlafen zum Problem. Ich konnte über längere Zeit hinweg nicht mehr schlafen. Ich fing an zu fantasieren, stand regelrecht neben den Schuhen, als ob ich einen LSD Trip genommen hätte.

Erst eine geregelte Tagesstruktur bei Buchmann und Partner half mir, meinen Rhythmus wieder in den Griff zu bekommen. Ich schaute mich erstmals wieder nach einer neuen Stelle um. Nach einiger Zeit klappte das dann wirklich, welch ein glücklicher Tag, der erste Arbeitstag!

Mittlerweile haben wir 3 Kinder. Ich verdiene rund 6000 Franken brutto. Wir wohnen günstig, gönnen uns nur das Nötigste, machen keine Luftsprünge und dennoch: Ende Monat ist unsere Konto leider immer auf Null.

Ich bin heute zufriedener als früher. Mein Leben ist, so wie es ist, in Ordnung.

Heute treibe ich auch wieder Ausdauersport. Im Sport gebe ich Gas, ich renne viermal pro Woche zehn Kilometer und einmal zwanzig Kilometer. Im Frühling will ich an den Greifensee-Marathon. Mit 90 Kilos bin ich noch zu schwer, deswegen will ich abnehmen. Mein Ziel ist es, den Halbmarathon unter 80 Minuten zu schaffen.

Wenn ich an meine Zeit als Bob-Pilot zurückdenke, überwiegt das Positive. Was war das für eine schöne Zeit! Ich realisiere, dass ich damals Fehler gemacht habe: In dieser Sportart ist es nicht das Wichtigste, dass Du Höchstleistungen erbringst, sondern „Connections“ hast. Erst dann solltest du dich auf den Sport konzentrieren.

Ich dachte damals als Spitzensportler: „Wenn ich dieses Rennen gewinne…. da wirst sich sicher jemand für dich interessieren.“ Ich habe viele Rennen gewonnen und alle Konkurrenten heruntergeputzt, doch dafür hat sich nie wirklich jemand interessiert.
Vor einem Jahr sass ich zum Plausch wieder einmal in meinem Bob. In Innsbruck kann man auf der Bob-Bahn einzelne Fahrten machen, man bezahlt pro Fahrt. Das ist schon ein ungeheures Gefühl, mit 140-150 Stundenkilometern durch die Bahn zu rasen: Rechts und links nur einige Zentimeter Raum. Wenn Du da anschlägst, tut das weh. Da ist nichts gepolstert. Das Motto lautet: Schmerz ist geil! Sonst würdest Du niemals Bob fahren.

Alles in allem, wenn ich zurückblicke, so habe ich doch vieles erlebt und kann heute nach meinem Neustart wieder positiv in die Zukunft blicken.

Ein Tag im Leben von R.A. als PDF herunterladen

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Wir haben unseren Webauftritt erneuert nach dem Motto «Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird; wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.» (Georg Christoph Lichtenberg)

Unser Webauftritt sollte informativer, übersichtlicher und praktischer werden. Also musste alles anders werden. Und so steht er nun, unser neuer Auftritt. Schrecken sie nicht davor zurück uns zu schreiben, besonders wenn es kritische Anmerkungen geben sollte.

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«Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird; wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.»

Georg Christoph Lichtenberg (* 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt; † 24. Februar 1799 in Göttingen) war Mathematiker und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik. Als deutscher Schriftsteller begründete er den deutschsprachigen Aphorismus.



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