Ich stamme aus einem kleinen Dorf im Kosovo, nahe der Stadt Jakova. Den Kosovo-Krieg habe ich miterlebt, ich ging nicht weg. Ich bin gelernter Mechaniker und besass damals mit meinem Bruder eine kleine Autowerkstatt. Doch die Situation wurde immer schwieriger. Schliesslich mussten wir das Geschäft aufgeben. Ich wollte mein Leben verbessern und bin vor rund 4 Jahren in die Schweiz gekommen. Auch meine Frau stammt aus dem Kosovo. Wir haben eine kleine Tochter, sie heisst Melissa.

Vor 2 Jahren hatte ich gleich zwei schwere Unfälle, kurz hintereinander. Zum ersten Unfall kam es auf der Fahrt zur Arbeit: Es war morgens um sechs Uhr, als ich mit meinem Auto frontal in einen Lieferwagen prallte, der meinen Vortritt missachtet hatte. Nach dem Crash konnte ich mich nur schwer bewegen, mein Nacken schmerzte und in der linken Körperhälfte hatte ich kaum mehr ein Gefühl. Nebst den Schmerzen hatte ich ständig ein Kribbeln, so, als ob Ameisen durch meinen linken Arm wanderten.

Dann sagte ich mir: „Jetzt ist der Unfall passiert, jetzt kann es ja nur noch besser werden. Vielleicht sind die Schmerzen in wenigen Stunden vorbei“. Und so machte ich mich auf den Heimweg. Meine Frau bestand darauf, dass ich mich sofort ärztlich untersuchen lasse und begleitete mich in die Notfallstation des Universitätsspitals Zürich. Zum Glück musste ich nicht operiert werden, hingegen liessen meine Schmerzen kaum nach, trotz starken Schmerzmitteln. Ich war deshalb sehr gereizt, ungeduldig und für meine Familie kaum auszuhalten. Ich konnte kaum mehr ruhig schlafen. Wenn ich schlief, dann unregelmässig, vielleicht zwei Stunden, dann war ich kurze Zeit wach, um gleich wieder einzuschlafen. Ich verlor den Tagesrhythmus, ich war komplett kaputt, wie jemand, der 24 Stunden gearbeitet hat. Ich hatte keine Kraft mehr, meine Bewegungen waren langsam. Mir war oft schwindlig.

Zahlreiche Physiotherapien versprachen eine Besserung meines Zustandes. Tatsächlich hatte ich nach einer Physiotherapie weniger Schmerzen im Arm, dafür verlagerten sich die Schmerzen in den Kopf. Und so hatte ich entweder im Arm Schmerzen oder Kopfweh.
Und dann passierte der zweite Unfall: Ich hielt es zu Hause kaum aus, wollte unbedingt wieder arbeiten. So fing ich zwei Wochen nach meinem ersten Unfall wieder damit an, zuerst 50%.

Ich arbeitete damals in einer Buchbinderei, welche Fotoalben herstellte. Ich bediente eine Deckel-Maschine, die Fotos einschweisste. Zum Unfall kam es, als ich den schiefen Rücken eines Albums zurechtbiegen wollte. Eigentlich sollte man in so einem Fall die Maschine sofort stoppen, doch ich stoppte sie nicht und Griff nach dem Buchrücken. Meine Reaktion war viel zu langsam, ich bewegte meinen Arm wie im Schlaf, und dann wurde dieser von der Maschine hineingerissen. Mir wurde schwarz vor Augen. Die nächsten 2 Monate war mein rechter Arm ganz blau. Zwei Unfälle in nur einem Monat! Jetzt konnte ich weder meinen linken noch rechten Arm gebrauchen.

So blieb ich wohl oder übel zu Hause. Die Konzentration war weg, die Kraft war auch weg, und ich war total unsicher in meinen Bewegungen, z.B. wenn ich etwas in den Händen hielt oder heben sollte. Aber ich sagte mir immer wieder: „Du schaffst das!“ Ich hab‘s probiert, aber es hat einfach nicht geklappt. Das ging so anderthalb Jahre, die ich wohl oder übel zu Hause verbrachte. Während dieser Zeit bewarb ich mich um unzählige Stellen, ohne Erfolg.

Die Basler Versicherungsgesellschaft, der Versicherer vom Fahrer des Lieferwagens, beauftragte daraufhin Buchmann & Partner AG, mich bei der Stellensuche zu unterstützen.

Ramon Carbonell von Buchmann & Partner kam kurz darauf zu mir nach Hause. Er wollte mich persönlich kennenlernen und gemeinsam herausfinden, welche Arbeiten für mich in Frage kämen. Dann stellten er und Patrick Zufferey den Kontakt zu weiteren Firmen her, bei denen ich mich bewerben konnte. Lange Zeit hatte es einfach nicht geklappt. Doch schliesslich konnte ich mich bei Sunray, einer Tochterfirma von Coop, in Pratteln, vorstellen. So wurde ich auch zum Vorstellungsgespräch begleitet, nachdem ich im Vorfeld intensiv durch Buchmann & Partner AG darauf vorbereitet wurde.

Mit Sunray vereinbarten wir, dass ich sofort mit der Arbeit beginnen könne, um meine möglichen Fähigkeiten während den nächsten zwei Wochen zu testen. Dann erreichte Patrick Zufferey, dass ich über die Berufspersonal AG, einer Firma der Z&B Gruppe, einen Temporär-Arbeitsvertrag für die ersten 3 Monate (Probezeit) erhielt und so weiterarbeiten konnte. Seit 6 Monaten bin ich nun festangestellt.

Meine Arbeit? Ich bediene sogenannte Abfüllmaschinen. Da wird zum Beispiel „Studentenfutter“ abgefüllt. Die Maschine für diesen Arbeitsprozess ist riesig und reicht über 2 Stockwerke: Im oberen Stockwerk befinden sich mehrere trichterartige Gefässe, wo zum Beispiel Nüsse oder Rosinen reingeschüttet werden. Diese fallen dann weiter unten in einen Mischer und schliesslich, aufs Gramm genau abgewogen, in die Tüten (Cellophan-Packungen), so wie man diese im Laden kaufen kann. Etiketten mit Datum, bzw. Ablaufdatum werden automatisch aufgeklebt und die Verpackungen in der Regel zugeschweisst.

Heute habe ich um sechs Uhr mit der Arbeit begonnen. Momentan arbeitete ich rund neun Stunden am Tag, manchmal länger. Ich arbeite im Schichtbetrieb. Mittags mache ich eine halbe Stunde Pause im Aufenthaltsraum. Ich nehme, wie die meisten Arbeitskollegen, den Z’Mittag von zu Hause mit.

Meine Frau arbeitet in der Pflege. Zum Glück haben wir unsere Familie in der Nachbarschaft. Bei uns hilft jeder jedem. Meine Schwägerin betreut unsere kleine Melissa, während meine Frau arbeitet.

Nach der Arbeit spiele ich ein bisschen mit Melissa, bevor ich für den Z’Nacht einkaufen gehe. Und dann wird meistens gemeinsam gekocht und gegessen, bevor ich, je nach Schichtbeginn, früh ins Bett gehe.

Ich möchte mich hier bei Frau Thürlemann von der Basler Versicherung recht herzlich bedanken. Sie hat mich und meine Frau während diesen schwierigen Jahren sehr unterstützt und alles dran gesetzt, um unser Leben zu erleichtern.

Ein grosser Dank geht auch an Patrick Zufferey und Ramon Carbonell, welche es mir dank ihrer unermüdlichen Arbeit ermöglicht haben, wieder eine Festanstellung zu finden. Ohne sie wäre ich vielleicht immer noch arbeitslos.

Selbstverständlich bedanke ich mich auch bei den Verantwortlichen bei Sunray, welche mir die Chance gegeben haben, wieder beruflich tätig zu sein.

 

 

 

 

Rudolf S. Jeanninne S. Slavko V. Mili L. José A. Pal N. Simon F. Luana Z. halbe_menschen
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