„Chönt Si das nid ä chli liesliger mache?“ Ich sitze im Schnellzug nach Zürich. MP3-Player in der Tasche und „Heavy Metal“ in den Ohren. Die Frau hat recht, ich dreh den Sound runter. Der Zug fährt im HB ein. Ich bin unterwegs zu Buchmann und Partner AG, da haben sie für mich einen Arbeitsplatz eingerichtet. Dienstags und donnerstags beschäftige ich mich dort intensiv mit der Stellensuche. Einen Job zu haben ist nicht schwer, einen zu finden dagegen sehr. Als Epileptiker erst recht.

 

Bei meiner Geburt und die ersten Tage danach bekam ich zu wenig Sauerstoff. Dadurch vernarbte sich meine rechte Gehirnhälfte. Doch erst mit siebzehn Jahren machte sich das bemerkbar: Ich erlitt meinen ersten epileptischen Anfall - mitten in einem Zürcher Warenhaus.

Seitdem habe ich einen Anfall etwa 1 Mal pro Monat. Wenn ich Stress habe, sind die Abstände noch kürzer. Morgens, beim Aufstehen, merke ich manchmal, dass etwas nicht stimmt, doch verhindern kann ich einen Anfall nicht.

Mein Gehirn wurde auf jede mögliche Art von Spezialisten untersucht und ich schlucke täglich 3 verschiedene Medikamente. Es gibt viele Vorurteile, denen Epileptiker unterworfen sind. Man kann leider heute noch wenig gegen die Krankheit machen. Auch mit Therapien nicht.

Trotz meiner Behinderung bekomme ich keine IV-Rente. Gelernt habe ich ursprünglich Tiefbauzeichner. Die Lehre musste ich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Dann habe ich eine Lehre als Fotograf begonnen. Heute habe ich einen Lehrabschluss als digitaler Fotograf. Die Prüfung habe ich in Wien abgelegt und habe ein Diplom, das in allen EU-Staaten und der Schweiz anerkannt wird.

Doch dann geschah ein Unfall. Vor 3 Jahren stürzte ich bei einem Epi-Anfall so unglücklich, dass ich mir das Schultergelenk brach. Seitdem „kugelt“ mir die Schulter mehrmals am Tag aus. Ich renke sie dann unter starken Schmerzen wieder ein. Operieren kann man nicht: Das Risiko einer Vollnarkose ist wegen der Epilepsie zu gross.

Wegen meiner kaputten Schulter ist es schwierig, als Fotograf zu arbeiten. Deshalb suche ich auch in ganz anderen Bereichen. Ich lese die Tageszeitungen aus der Ostschweiz, wo ich wohne, suche im Internet und bewerbe mich jede Woche bei mehreren Betrieben. Buchmann und Partner unterstützt mich da voll. Zusammen mit Patrick Zufferey habe ich mich auch schon bei mehreren Betrieben vorgestellt. Bis heute leider ohne Erfolg.

chon von Klein auf habe ich leidenschaftlich gerne gezeichnet, gemalt und auch gesprayt. Bis ich die japanischen Comics entdeckte, die Mangas. Sie haben meinen heutigen Stil stark beeinflusst. Ich möchte meine Bilder bald einmal ausstellen und male fast jeden Tag.

Bei Buchmann & Partner arbeite ich in der Regel bis in den frühen Nachmittag, je nachdem, wie ich mich gesundheitlich fühle. Auf dem Heimweg schaue ich oft bei einem Comics-Laden rein, um mich zu inspirieren.

Ich wohne bei meinen Eltern und meinen zwei Katzen, die ich sehr mag. Zuhause mache ich oft 3 Mal pro Woche mein „Workout“, das beinhaltet ein Bauchmuskel­training, Hanteltraining und den Hometrainer. Mit sichtbarem Erfolg: Ich stärke nicht nur meine Muskeln, sondern habe im letzten Jahr auch mehrere Kilos abgenommen.

Abends überrasche ich meine Freundin oft mit feinem chinesischem Essen. Ich koche leidenschaftlich gern. Dann spielen wir manchmal zu zweit oder mit Freunden Poker.

Ich bin froh, dass ich bei Buchmann und Partner ein Arbeitstraining machen kann. Ich schätze den geregelten Tagesablauf und komme so auch unter die Leute. Mit Malen allein würde ich verrückt werden.

 

 

 

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